Dass auf Bundesliganiveau Fehler rigoros bestraft werden, ist gerade auch für Borussia Mönchengladbach keine wirkliche Neuigkeit. Am heutigen Sonntagabend verlor die Borussia so auch ihr fünftes Auswärtsspiel der laufenden Saison, mit 1:0 bei Eintracht Frankfurt. In einem dürftigen Bundesligaspiel, in dem die Borussia nach der Gelb-Roten Karte gegen Thomas Helveg noch dazu in Unterzahl agierte, hatte die Elf von Trainer Jupp Heynckes im Spielverlauf das Pech, dass ein reguläres Tor von Youngster Marvin Compper zuvor von Schiedsrichter Dr. Wack annulliert worden war.

Im Vergleich zum verlorenen Heimspiel gegen Bayer Leverkusen hatte Heynckes die Mannschaft auf drei Positionen verändert, so kam Thomas Helveg für Oliver Kirch, Nando Rafael für Oliver Neuville und der wiedergenesene Eugen Polanski für Bernd Thijs zum Zug. Eine Aufstellung, die darauf hinwies, dass die Borussia gedachte zunächst ihr eigenes Tor ausreichend zu sichern.

Entsprechend gestaltete sich das Spiel der Borussia, die eben ähnlich wie beim Auswärtsspiel bei Hertha BSC Berlin agierte und versuchte dem Gegner möglichst geringfügigen Raum für dessen Spiel zu geben. Auch der Gegner sah sein erstes Ziel in der Sicherung des eigenen Tores und so entwickelte sich für den Beobachter ein zögerliches Spiel zweier Mannschaften, die den Respekt vor dem ersten und gegebenenfalls bereits entscheidenden Fehler über weite Phasen der ersten Spielhälfte nicht abstreifen konnten. Löblich, dass die Borussia die ersten kleineren Torgelegenheiten der Partie haben wollte und diese keinesfalls glücklich zu Wege zu bringen gedachte, auch wenn ein Schussversuch des gerade in den ersten zwei Dritteln der Partie verunsichert wirkenden Nando Rafael in der 18. Spielminute das Tempo und die Zielgenauigkeit vermissen ließ.
 
Insgesamt ließ die Borussia wesentlich zu viele Perioden mit eigenem Ballbesitz auch in einen Torschussversuch auf das gegnerische Gehäuse münden, viel zu oft wurde die Chance auf eine sich bietende Gelegenheit über einen Tempogegenstoß durch „zu flaches" Passspiel in die Breite abgewürgt. Allenfalls Michael Delura schien sich der Direktive der erhöhten Handlungsschnelligkeit in Richtung des gegnerischen Kastens ernsthaft angenommen zu haben, denn der gebürtige Gelsenkirchener konnte immerhin vereinzelt über die Außenbahn in die Nähe des Strafraums der Gastgeber vordringen, auch wenn sein „finaler Pass" dann meist zu ungenau wurde. Einen ob seiner Ansehnlichkeit bemerkenswerten Tempogegenstoß fuhr die Borussia so in der 30. Spielminute. Zügig und im Direktspiel wurde Peer Kluge am linken Rand freigearbeitet, der bis zur Grundlinie durchzustoßen schien und dann flüssig versuchte den am Fünfmeterraum kurz gekommenen Federico Insúa zu bedienen. Auch als Insúa dort von Kyrgiakos abgedrängt wurde und nicht zum Ball kam, die Chance verebbte erst durch Carlos Eduardo de Souza Florestas Entscheidung auf den zweiten Pfosten zu laufen und nicht im Rückraum, wo der Ball schlussendlich versandete, zu verharren.
 
Eine halbe Stunde der ersten Spielhälfte war zu diesem Zeitpunkt bereits gespielt, doch die Gastgeber von Trainer Friedhelm Funkel mussten noch auf ihren ersten echten Ball vor dem Tor von Kasey Keller warten. Dies war, wie angesprochen, der guten Defensivarbeit der Borussia geschuldet, zu der nicht nur das Duo Peer Kluge und Eugen Polanski vor , sondern auch ein Mann wie Thomas Helveg innerhalb der Abwehr beitrug. Der dänische Routinier sorgte mit einer aufmerksamen Darbietung einige Male dafür, dass sich aufkommende Nervosität, die sich zum Beispiel bei seinem Pendant auf der linken Abwehrseite, Marvin Compper, gerade in der Vorwärtsbewegung hin und wieder eklatant auch im einfachen Ballverlust niederschlug, nicht allzu sehr ausbreitete; in der 33. Spielminute blockte der dänische Nationalspieler folgerichtig auch den ersten Schussversuch der Frankfurter auf das Tor von Keller ab.
 
Eine ordentliche, dennoch aber keinesfalls erstklassige, erste Halbzeit der Borussenmannschaft neigte sich in der 45. Spielminute gerade ihrem Ende entgegen, da kam es zum einen durch eine erste Unaufmerksamkeit in der Borussenverteidigung zu einer Kopfballgelegenheit für den griechischen Internationalen Ioannis Amanatidis. Jener reagierte freistehend auf den Flankenball des U21-Nationalspielers Patrik Ochs, doch zur Freude des Borussenanhangs endete der Kopfball des ehemaligen Kaiserslauterers fernab vom Borussentor im Toraus. Unmittelbar davor hatte der bis dahin kaum geforderte Schiedsrichter Dr. Wack Thomas Helveg die Gelbe Karte gezeigt, nachdem dieser in Folge eines riskanten Anspiels von Delura im Rücken des Frankfurters Michael Thurk endete und dann sofort per Trikotvergehen eine aufkommende Konterchance der Gastgeber unterbunden hatte.
 
Offenbar angestachelt von der Gelegenheit für Amanatidis vor der Pause, suchte der Gastgeber schon unmittelbar nach Wiederbeginn den Weg zum Tor von Kasey Keller. Die Borussia begünstigte dies dadurch, dass sie selbst erst wieder eine Grundordnung in ihr Spiel bringen musste und hatte das Glück auf ihrer Seite, als der Schweizer Spycher nach 49 Spielminuten frei vor Borussias Torwart den Ball um Nuancen am rechten Außenpfosten vorbeispitzelte. Auch die folgenden Spielminuten gehörten den Gastgebern, so hielt Michael Fink Keller in der 51. Minute mit einem Distanzschuss und vier Minuten später Albert Streit ihn mit einem Freistoß warm.
 
Borussias erster ernsthafter Zug in Richtung des Tores der Hessen ereignete sich nach 56 Spielminuten und mündete in einen Eckstoß, den die überwiegende Mehrheit der Elf von Trainer Heynckes im Strafraum der Gastgeber erwartete und das Spielgerät dort dennoch nicht halten konnte. Im Gegenteil, die Frankfurter befreiten sich und versuchten den von einem der wenigen defensiv verharrten Borussen, Thomas Helveg, eng bewachten Albert Streit einzusetzen. Als Streit im Begriff war sich um den dänischen Verteidiger der Borussia zu drehen und dem an dem Duo vorbeigehenden Ball nachzusetzen, kam er zu Fall und die Frankfurter zu einem Freistoß, den der bereits wieder auf den Füßen stehende Streit mit einer Verwarnungskarte für Thomas Helveg im Grunde garniert sehen wollte. Schiedsrichter Dr. Wack kam diesem Wunsch umgehend nach und da Helveg am Ende der ersten Halbzeit bereits verwarnt worden war, musste er nun den Rasen vorzeitig verlassen und seine Elf in numerischer Unterzahl zurücklassen.
 
Diese sah sich in den folgenden Minuten einer Angriffswelle der Hausherren ausgesetzt, ohne jedoch großartig in Schwierigkeiten zu kommen. In der 66. Spielminute ersetzte Heynckes dann Federico Insúa durch Bernd Thijs, doch auch hernach waren die Hausherren von der Eintracht allenfalls in der Lage vermehrten Ballbesitz für sich zu reklamieren. Die Borussia verteidigte ordentlich, ließ keine nachdrückliche Gelegenheit für den Pokalfinalisten der vergangenen Saison zu.
Im Gegenteil, Borussia war sogar in der Lage als erste der beiden Mannschaften das gegnerische Tor zu treffen. Hierbei tat sich in der 70. Spielminute Borussias junges Duo auf der linken Seite, Nando Rafael und Marvin Compper, hervor. Mit Rafael als umsichtiger Vorbereiter und Compper in seinem vierten Saisonspiel als der noch umsichtigere im Torabschluss. Im richtigen Moment hatte Rafael gut getimt den die Abwehr geschickt überlaufenden Compper eingesetzt und dieser hatte, nicht wie vom herausstürzenden Torwart Nikolov erwartet, seinen linken Fuß benutzt, sondern den Ball mit dem rechten Fuß um den Torwart herum in das lange Eck des Frankfurter Gehäuses gedreht.
 
Unbändig freute sich der U20-Nationalspieler über den von ihm erzielten Führungstreffer, der immerhin seinen ersten Treffer in seiner Bundesligakarriere bedeutet hätte. Doch als er merkte, dass seine Mitspieler ihn nicht beglückwünschten, sondern frustriert abdrehten, erahnte er, dass das Schiedsrichtergespann einen Grund gefunden haben musste, um den Treffer zu annullieren. Eine Abseitsstellung wollte nämlich der der Haupttribüne entgegengesetzt eingesetzte Schiedsrichterassistent erkannt haben. Und da er diese - die allenfalls gänzlich passiv und dann durch den vom unmittelbaren Geschehen gleich mehrere zehn Meter entfernt stehenden Kahê gegeben war - stur anzeigte, konnte Dr. Wack die Gelegenheit ergreifen und dem Tor seine hoheitliche Anerkennung verweigern; schlussendlich ist, wie wieder einmal verdeutlicht worden ist, eben Abseits wenn der Schiedsrichter pfeift.
 
Zwei Halbchancen und jeweils einen Spielerwechsel auf beiden Seiten später, bei der Borussia ersetzte David Degen Peer Kluge, tat sich Herr Wack aus Sicht der Borussia ein nächstes Mal negativ hervor, als er einen Freistoß für Frankfurt nicht durch seinen Pfiff, sondern durch die Frankfurter Spieler höchst selbst freigab und den Hausherren damit die Chance bot, den von Marvin Compper unzureichend beaufsichtigten Naohiro Takahara so anzuspielen, dass der ehemalige Hanseate den Ball ungehindert an Kasey Keller vorbei zur Frankfurter Führung ins Tor bugsieren konnte.
 
Auch der für die verbleibenden neun Minuten auf das Feld geschickte Oliver Neuville konnte, obschon er beinahe noch eine gute Gelegenheit ergattern konnte, das Ergebnis für die Borussia nicht mehr anders gestalten. Eher noch hätten die Gastgeber in der Restspielzeit dem Resultat einen weiteren Treffer beisteuern könnten, doch war Kasey Keller gegen Markus Weissenberger (83.) entsprechend auf seinem Posten.

Unter dem Strich büßt die Borussia hier erneut für eine einzige leichtfertige Unachtsamkeit, die zu einer von zwei Schlüsselszenen verkommt. Sie verliert deshalb vor allem wie gegen Nürnberg oder gegen Berlin wiederholt mögliche Punkte auf fremdem Platz, denn ein Zähler war am heutigen Tage für die Elf von Trainer Heynckes - der sich nach dem Schlusspfiff sehr über die Schiedsrichterleistung erregte - allemal möglich. Seine Mannschaft agierte in der Defensive über den großen Teil der Partie kontrolliert und aufmerksam, hatte aufgrund ihrer Verlagerung auf eine solide Verteidigungsarbeit bis zur sogenannten Ampelkarte für Thomas Helveg die Frankfurter Bemühungen auch souverän im Griff gehalten und war hernach nicht nur eigentlich in Führung gegangen, sondern war auch in der Verteidigungsarbeit nicht wirklich tief in eine unruhige See hineingeschlittert.
 
Umso ärgerlicher, dass sie wiederholt punktlos in ihre niederrheinische Heimat heimkehren muss. Will man die heutige Niederlage als unglücklicher Zusammenschluss von Umständen darstellen, tut man dem Spielverlauf in der Tat kein Unrecht. Deshalb wird es umso wichtiger sein, dass die Mannschaft und der Trainer ihren Kurs weiter fahren und in der Niederlage eher Bestätigung sehen. So kurios dies klingen mag. Doch wenn die Elf noch den genickbrechenden letzten Fehler ausmerzt, kann sie auswärts punkten und gleichzeitig daran arbeiten, dass Auswärtsspiele auch wieder häufiger gewonnen werden.
 
Tore: 1:0 Takahara (78.)

Frankfurt
: Nikolov - P. Ochs, Russ, Kyrgiakos, Spycher - M. Fink - Köhler (Takahara 66) - A. Meier - A. Streit, Thurk ((Weissenberger 75) Huggel 86), Amanatidis.

Borussia: Keller - Helveg, Levels, Zé António, Compper - Delura, Polanski, Insúa (Thijs 66), Kluge (Degen 77), Rafael (Neuville 81) - Kahê.

Ersatz: Heimeroth - El Fakiri, Degen, Sonck.

Schiedsrichter: Dr. Franz-Xaver Wack (Biberbach)

Zuschauer: 50.050
 
Datum;  Spieltag: Sonntag, 5. November 2006;  10. Spieltag 2006/07

Gelbe Karten (Borussia): Zé António

Gelb-Rote Karten: Helveg (57., wiederholtes Foulspiel)

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse
: Das Spiel war Borussias 90. Spiel auf fremdem Platz seit dem Wiederaufstieg 2001. In diesen 90 Spielen erzielte sie 9 Erfolge, 26 Remis und nunmehr 55 Niederlagen. Borussias letzter Auswärtssieg datiert vom 13. Mai diesen Jahres und wurde durch ein 2:0 (Tore: Oliver Neuville, Nando Rafael) in Frankfurt bei Eintracht Frankfurt erzielt. Neben der Borussia, Bayern München und dem FC Schalke 04 war die Eintracht der vierte Verein, den Borussentrainer Jupp Heynckes in seiner Laufbahn als Trainer in der Bundesliga betreute.

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