An einem Wochenende, an dem die Tage kürzer werden, verlor die Borussia am Samstagnachmittag ihr erstes Saisonspiel vor heimischer Kulisse, dem UEFA-Cup Teilnehmer Bayer 04 Leverkusen war die Borussia mit 0:2 (0:1) unterlegen und offenbarte dabei Schwierigkeiten, die auf Abstimmungsdefizite zurück zu führen sind, die sich auch aus den Umstellungen ergeben, zu denen Trainer Jupp Heynckes zur Zeit gezwungen ist. Hinzu kam am heutigen Tage, dass der ansonsten stabile Torwart Kasey Keller bei einem Tor daneben griff und beim zweiten Treffer der Bayer-Mannschaft wenigstens unglücklich ausgesehen hatte.

Im Vergleich zum DFB-Pokalspiel beim VfL Osnabrück während der vergangenen Woche nahm Jupp Heynckes sieben, gegenüber dem letzten Bundesligaspiel einen einzigen Wechsel in der Anfangsformation vor. Bo Svensson hatte vor dem Match grünes Licht gegeben und ersetzte Tobias Levels in der Innenverteidigung. Verletzungsbedingt nicht mit von der Partie blieben Marcell Jansen, Filip Daems, Kasper Bögelund und Sebastian Svärd. Eugen Polanski saß zwar auf der Reservebank, erstmals seit seiner Muskelverletzung, jedoch einzig für den Notfall.

Nachdem der Münchener Schiedsrichter Dr. Brych die Begegnung für beide Mannschaften freigegeben hatte, versuchte sich zunächst die Borussia am Strafraum der Gäste in Szene zu bringen. In dieser Phase erlangte die Borussia ihre ersten Standardsituationen, besaß jedoch nicht die Ruhe am Ball um diese Situationen vernünftig auszuspielen. Die Gäste aus der BayArena schienen zunächst auf die Sicherung des von Hans-Jörg Butt gehüteten Tores aus und trauten sich nicht sonderlich aus der Deckung, kamen aber in der zwölften Spielminute zu ihrem Führungstreffer, dass nach Verlauf der Partie bis dato zwar nicht schier vom Himmel, aber doch ein wenig überraschend fiel. Die Gäste profitierten dabei von zwei Zufälligkeiten, die einen Torerfolg begünstigen können - einerseits befand sich der von Sergej Barbarez freigespielte Torschütze Marko Babic verdächtig nahe an einer Abseitsstellung, andererseits unterlief Kasey Keller im Tor der Borussia mit einem Fehlgriff in Richtung des eigentlich sicher aufzunehmenden Balles ein für ihn schier unglaubliches Missgeschick.

Gegebenenfalls muss man diese Wortschöpfung, die des Malheurs, aufnehmen, denn die Borussia von vor dem Führungstor der Gäste und die Borussia von nach diesem Gästetreffer war grundverschieden. Durch den Fehler ihres sichersten und erfahrenen Spielers wurden vor allem die wenig erfahrenen Spieler wie Michael Delura, Marvin Compper und Oliver Kirch mit zunehmender Spieldauer nervöser und weil auch die erfahreneren Akteure um Oliver Neuville und Peer Kluge nicht in das Spiel fanden, war es umso bedauerlicher, dass der eigentlich wiedergenesene Bo Svensson in der 18. Minute aufgrund gesundheitlicher Probleme seinen Platz in der Innenverteidigung räumen und an Tobias Levels übergeben musste. Levels ließ sich im Grunde umgehend von der nun im Borussenspiel vorherrschenden Ruhelosigkeit und Verunsicherung anstecken. Die Elf von Trainer Heynckes produzierte zwar keine Fehler in serienreifer Produktion, vor allem Flüchtigkeitsfehler verursachten aber immer wieder eine Verzögerung im Angriffsspiel, die solide agierende Leverkusener für ihre Zwecke nutzen konnten.

Während die Borussia allenfalls zu Halbchancen, und wenn dann mittels Standardsituationen, wie bei Marvin Comppers Kopfball in der 15. oder Kahês Kopfball in der 18. Spielminute, gelangte, zeigten sich die Gäste nicht sonderlich eigeninitiativ und überließen den Zeitpunkt ihrer wirklich aktiven Teilnahme am Geschehen den Schnitzern der Borussia in der Defensivbewegung. Leverkusen hatte sich viel mehr und augenscheinlich konsequent auf eine Spielverschleppung und auf die Sicherung des eigenen Tores abgesehen. Erst in der 35. Spielminute kamen die offensiv eher passiven Gäste zu einer Torchance. Aus einer Abwehrbewegung Zé Antónios, der mit letzter Mühe eine brenzlige Situation zu Ecke abwehren konnte, entstand eine Eckballfolge während der der Leverkusener Nordafrikaner Karim Haggui zu einer eklatanten Kopfballgelegenheit kam. Die Borussia hatte Dusel, dass Hagguis Kopfball am Tor vorbei ging.

Während zwischenzeitlich der eifrige Assistent auf der Haupttribünenseite ebensolchen Dusel hatte, dass seine ungenauen Abseitsentscheidungen keine wirklich deftige Spielsituation zu Borussias Ungunsten unterbanden, keimte unter den Borussenanhängern im Rund der Hennes-Weisweiler-Allee ob der nervösen Darbietung der Mannschaft Unmut auf, der sich in den ersten richtigen Pfiffen entlud. Diese Äußerungen des persönlichen Unmutes wurden just in den zehn Minuten zwischen Hagguis Kopfballchance und dem Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Brych durch weitere, zum Teil eklatante, Abspielfehler der Borussenelf weiter angeheizt. So hatte Marvin Compper Glück, dass die Gastelf aus der Chemiemetropole aus seinem unbedrängten Kopfball in ihre Richtung - der den Leverkusenern in einer Entfernung von 20 Metern zu Kasey Keller Ballbesitz gab - kein Kapital schlugen. Einem Stellungs- und Abspielfehler Borussias entsprang auch eine in der Tat hochkarätige Chance für Borussias ehemaligen Jugendspieler Andriy Voronin, der in der 45. Spielminute von Sergej Barbarez im Borussenstrafraum in Szene gesetzt wurde, schließlich aber doch noch mit vereinter Borussenkraft (Kirch, Keller) gestoppt werden konnte.

Aus der Halbzeitpause kehrte die Borussia ohne Federico Insúa wieder. Der achtfache argentinische Nationalspieler, der Marvin Compper bei dessen Kopfballchance den Ball auf den Schädel geflankt hatte, wurde gegen David Degen eingetauscht. Für Borussia war dies der zweite von drei möglichen Spielerwechseln und beinahe hätte sich Degen gleich ebenso prächtig in den Vordergrund geschoben wie vor zwei Wochen gegen Wolfsburg, doch der Algerier Ahmed Madouni im Leverkusentrikot klärte dessen Flanke vor dem herannahenden Michael Delura. In der Tat, es sollte Borussias stärkste Phase der Partie anstehen, die sich auch durch torgefährliche Situationen belegen lässt. Vor allem erfreulich war, dass die unerfahrensten Kräfte der Borussia, Marvin Compper und Tobias Levels, an ihnen beteiligt waren. Es blieb Pech, dass Comppers blitzgescheites Zuspiel von Delura zu spät erfasst wurde und dem früheren Hannoveraner damit die Chance entging den herausstürzenden Butt zu umkurven - es war bedauerlich, dass David Degen aus dem Zuspiel von Tobias Levels in die Tiefe kein Kapital schlagen konnte.

Zwischen der 46. und der 68. Spielminute war die Borussia die druckvolle, die energische Mannschaft. Sie schwang sich auf ihre Nervosität abzulegen und den Mittelrheinern ein erbitterter Gegner zu sein, doch Kapital in Form von eigenen Torerfolgen blieb ihr verwehrt. In der 64. Spielminute schickte Jupp Heynckes Wesley Sonck für Oliver Kirch auf das Spielfeld, der Belgier sollte helfen den Druck weiter zu erhöhen und die Luft für die verteidigende Bayerelf dünner zu machen. Unmittelbar war Sonck Teil des Geschehens, da zog die Borussia vor dem Leverkusener Strafraum das Spiel geschickt auseinander und schickte sich zu einer herausragenden Torgelegenheit an. Doch während im Zentrum sowohl Sonck als auch Kahê sich in Stellung zu bringen versuchten und David Degen auf der rechten Außenbahn sich über den meterweit entfernten nächsten Gegenspieler zu wundern schien, entschied sich Michael Delura als Ballführender für den Eigensinn und so verpuffte diese Gelegenheit genauso kläglich wie später ein Distanzschuss Peer Kluges, der in den hohen Weitenverpuffte anstatt in der Nähe des Leverkusener Tores einzuschlagen.

Mit der Einwechselung Soncks als drittem Stürmer ging eine Umstellung in der Grundaufstellung einher, die der Borussia alles andere als gut tat. Während sie sich Mühe hatte zu positionieren, kam die Gäste wieder mehr ins Spiel, beteiligten sich die Gäste ihrerseits wieder erheblicher im Angriff und hatten fortan die klar besseren Gelegenheiten. So war es Kasey Keller zu verdanken, dass der freigelaufene Barbarez aus Nahdistanz nicht frühzeitig zum 2:0 einschießen konnte, so machte der US-Nationaltorwart auch bei anderen Gelegenheiten der Bayermannschaft seine Arbeit.
Deshalb ist es bitter, dass gerade der zuverlässige Mann aus Lacey in Washington auch beim zweiten Leverkusener Tor, erzielt durch Voronin nach einem langem Zuspiel Bernd Schneiders in der 74. Minute, nicht souverän aussah; dafür war allein der Ball von Schneider auf Voronin zu lange in der Luft. 

Jener Treffer beendete dann das Spiel, im Grunde. Die Borussia wusste nunmehr, dass sie dieses Spiel nicht mehr gewinnen würde. Sie mühte sich zwar noch einen ordentlichen Eindruck zu machen, doch unter dem Strich hatten die Gäste in der Schlussphase deutlich häufiger die Chance zu einem neuerlichen Tor als der Borussia die Möglichkeit zur Hoffnung auf den Anschlusstreffer eingeräumt wurde. Das Leverkusen kein drittes Mal jubeln durfte ging auf den während des heutigen Spiels vor allem in der ersten Halbzeit nicht immer auf vollständiger Ballhöhe scheinenden Assistenten vor der Haupttribünenseite zurück, der zusammen mit seinem Vorgesetzten beim eingewechselten Kießling in der letzten echten Szene der Partie ein Foulspiel erkannte.

Unter dem Strich ist der Erfolg Bayer Leverkusens anzuerkennen. Die Mannschaft aus Leverkusen ging zwar ein bisschen überraschend in Führung, hatte in der Folge aber eine das fortan nervöse Spiel der Borussia erstickende Ordnung und schon gegen Ende der ersten Spielhälfte Möglichkeiten das Ergebnis für sich zu bearbeiten. Nachdem sie sich der Angriffe der Borussia zu Beginn der 2. Halbzeit ausreichend erwehrt hatten, profitierten die Gäste abermals von dem nicht optimalen Spiel Borussias und erledigten sich der Aufgabe durch Voronins Treffer eine gute Viertelstunde vor Schluss. Hernach hätte der Sieg der Gäste durchaus noch höher ausfallen können, die Borussia hatte keine Antwort mehr.

Verloren hat die Borussia das Spiel in erster Linie durch individuelle Fehler, wobei dem ersten Treffer ein solcher von Kasey Keller vorausging. Nicht gewonnen hat die Borussia jenes Spiel durch die relative Unerfahrenheit ihrer Mannschaft, die sich dieses Mal nicht mit einem glücklichen Doppelschlag, wie noch gegen Wolfsburg vor der Halbzeitpause etwa, die Nervosität aus den Gliedern schütteln und nötiges Selbstvertrauen aufbauen konnte. Erfahrung und Abgeklärtheit macht auf Bundesliganiveau schon noch einen Unterschied aus und davon hatte die Borussia auch deshalb zu wenig, weil von den sogenannten etablierten Kräften keiner über das grundlegende Engagement hinaus tätig werden konnte. Gepaart mit der Hast, die die unerfahreneren Kräfte besonders in der Folge des ersten Leverkusener Treffers kräftig schüttelte, entstand ein unheilvolles Machwerk, das die Niederlage fast bedingte und seicht aufkommende Sprechchöre in der Machart „Wir wollen Euch kämpfen sehen!" in das Gegenteil verkehrte; an der Berufsauffassung hat es der Mannschaft nicht gemangelt.

Unverständlich wäre, als Resultat dieser Partie, wenn nun Urteile über die Mannschaft oder Einzelspieler dieser Mannschaft genauso harsch und hastig gefällt werden würden wir es ihr selbst  am heutigen Tage unmöglich war die durch den ersten Gegentreffer ausgelösten Zweifel am eigenen Können und an den eigenen Nerven im Zaum zu halten. Insofern wird es wichtig sein sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In Frankfurt kann die Borussia den durch diese Niederlage eingebüßten Boden im Tabellenmittelfeld wieder aufholen.

Tore: 0:1 Babic (12.), 0:2 Voronin (74.).

Borussia: Keller - Kirch (Sonck 64), Svensson (Levels 18), Zé Antonio, Compper - Thijs - Delura, Kluge - Insua (Degen 46) - Neuville, Kâhe.

Ersatz: Heimeroth (Tor), Rafael, Polanski, Helveg. 

Leverkusen: Butt - Haggui, Madouni, Juan, Babic - Schwegler, Schneider, Rolfes, Barnetta - Barbarez (Kießling 75), Voronin (Freier 86).

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)

Zuschauer: 51.227 (94,83 %)

Datum;  Spieltag: Samstag, 28. Oktober 2006;  9. Spieltag 2006/07

Gelbe Karten (Borussia): -

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Das 0:2 war Borussias erste Heimniederlage seit dem 18. Spieltag der vergangenen Saison, damals unterlag man dem späteren Deutschen Meister FC Bayern München mit 1:3. Borussia wartet seit dem 25. Februar 1989 (2:0, Tore: Hochstätter, Budde) auf einen Heimsieg gegen Bayer 04 Leverkusen. Nach zuletzt drei Unentschieden zwischen Borussia und Leverkusen in Mönchengladbach war dies der erste Leverkusener Auswärtssieg bei der Borussia seit dem 1:0 vom 08.09.2001 (Torschütze: Torwart Butt per Elfmeter).

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  • RT @MichaelCUISANCE: Danke fur allés, es its nur der anfang 🙌🏼🐎 @borussia
  • @Neun_Drei Auch verletzt?
  • Während jeder Raffaels Tore feiert, sollte man auch den Jüngsten sehr loben. Bravo, vous avez bien fait, @MichaelCUISANCE! #bmgvfb
  • @Neun_Drei Was fehlt?
  • Milliarden Chinesen, die am Wochentag nachts um 0.30 Uhr 2 Stunden deutsche Bundesliga gucken, sind die Zielgruppe dieser Anstoßzeit #bmgvfb
  • @jarkoh Siegtor Max Eberl.
  • Wenn das so kommt, wie es sich liest, sind morgen Dirk Bremser, Max Eberl & Uwe Kamps im Kader. #BMGVFB

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