Durch einen 1:0-Heimerfolg über Arminia Bielefeld hat die Borussia am Samstagnachmittag die ersten drei Spieltage der laufenden Bundesligasaison doch mit sechs Zählern auf dem Konto beenden können. In einem blassen Spiel ohne viele Höhepunkte war Carlos Eduardo de Souza Floresta, kurz Kahê, während der zweiten Halbzeit der umjubelte Siegtorschütze auf Seiten der Heynckes-Mannschaft. Ansonsten beschränkten sich beide Mannschaften weitgehend auf die Neutralisierung ihres Gegners, wobei die Borussia in der Phase zwischen der 35. und der 60. Minute ihre stärksten Momente hatte, hernach allerdings die Spielkontrolle konsequent den mit zunehmender Spielzeit couragierten Gästen aushändigte und letztlich froh sein darf, dafür nicht wenigstens mit dem Ausgleich bestraft worden zu sein.


Nur mit einer Umstellung reagierte Jupp Heynckes auf die Niederlage in der Vorwoche beim 1. FC Nürnberg, er beorderte Neuzugang Michael Delura für Kahê, wie auch schon in der 2. Halbzeit in Franken, auf die Auswechselbank. Ansonsten beließ es der Trainer der Borussia bei exakt derselben Aufstellung, der in der Vorwoche gut spielende Oliver Kirch durfte abermals von Beginn an mittun.
 
Die ersten gut zehn Spielminuten der Partie verliefen zwar zügig, jedoch ohne wirkliche Tornähe beider Mannschaften. Die Borussia postierte sich zwar schleichend immer stärker in der Hälfte der ostwestfälischen Gäste, doch hatte ihrerseits auch Acht zu geben, deuteten die mit Jörg Böhme und Bernd Korzynietz angetretenen doch immer mal wieder kurz an, dass sie über zügige Tempogegenstöße gedachten für Gefahr zu sorgen. Erst in der 10. Minute dann eine erste Möglichkeit, doch der von Oliver Neuville getretene Freistoß aus zentraler Position wurde von einem Gästeakteur zum Eckball abgewehrt. Schon nur zwei Minuten später konnten die etwa 40.000 Zuschauer an der Hennes-Weisweiler-Allee fast Borussias beste Möglichkeit der gesamten ersten Spielhälfte begutachten, doch Polanski war zu überrascht um den von Bielefelds Keeper Hain nicht abgefangenen Freistoßball Neuvilles zu verwerten.
Auf der Gegenseite die Bielefelder, die ihrerseits nach etwa zwanzig Minuten eine erste längere Phase in der Hälfte der Borussia zubrachten. In der 23. Spielminute erhielten sie einen Freistoß aus halbrechter, erheblich strafraumnaher Position, den unter den Pfiffen des Heimpublikums Borussias ehemaliger Spieler Jörg Böhme knöcheltief in Borussias Abwehrmauer drosch. An diesen Freistoß schloss sich seitens der Gäste ein wenig Courage an und so gehörte der Abschnitt bis zur 35. Minute hauptsächlich den Arminen, die einige Male (u.a. über Masmanidis) beinahe frei vor Kasey Keller auftauchen durften, doch das weniger akkurate Defensivspiel in Borussias zentralem Mittelfeld, das jeder dieser angedeuteten Möglichkeiten vorausging, konnte letztlich von einem völlig aufmerksamen Keller ausgebügelt werden.

Erst mit der 35. Spielminute setzte bei der Borussia wieder eine signifikantere Vorwärtsbewegung ein, festgemacht werden durfte dies vor allem an einem guten Kombinationsspiel von Marcell Jansen und Hassan El Fakiri. El Fakiri konnte dann, fast bis zur Grundlinie durchgebrochen, auch noch einen störenden Bielefelder zur Seite schicken, doch anstatt den Ball in den Strafraum zu bringen, produzierte der ehemalige Spieler des AS Monaco einen unterdurchschnittlichen Torschuss, der eine kümmerlich leichte Beute für den Gästetorwart blieb. Immerhin jedoch wusste die Borussia einen Vorstoß wieder abzuschließen, wie man nämlich festhalten musste, war fernab allem einzuräumenden Bemühen gerade die Präzision und der Abschluss das Problem der Elf von Kapitän Keller.
In dieser Spielphase schien diese Problematik jedoch zu verwischen, denn auch drei Minuten später suchte Oliver Kirch, der nunmehr besser ins Spiel kam, den Abschluss. Er fand ihn nicht und so hatte die Borussia infolge eines Remplers zum Nachteil von Bernd Korzynietz an ihrer eigenen Sechzehnmeterlinie abermals einen gefährlichen Standard der Gäste zu überstehen - glücklicherweise verfehlte der Kopfball von Marcio Borges in den Bielefelder Farben das Borussengehäuse.

Wer zu dieser Zeit nach Differenzen zwischen der vergangenen und der aktuellen Saison im Borussenspiel fahndete, bekam dies in den zwei restlichen Gelegenheiten vor dem Halbzeitpfiff vor Augen geführt. Zunächst war es Nationalspieler Marcell Jansen der einen Flankenlauf über die linke Seite überaus geistesgegenwärtig mit einer Ablage in den Rückraum abschloss, jedoch Pech hatte, dass Abnehmer Kirch mit seinem Versuch an den Ausmaßen des Tores scheiterte. Hernach führte Federico Insúa mustergültig eine Eigenschaft vor Augen, die man sich in den letzten Jahren von seinem Vorgänger Thomas Broich immer sehnlichst gewünscht hatte. Als er, in einer Tempogegenstoßsituation auf Höhe der Mittellinie am rechten Rand des Spielfeldes, von seinem Bielefelder Gegenspieler am Weiterspiel gehindert zu werden schien, brillierte Insúa mit einem unwiderstehlichen Vorwärtsdrang. Dass er diese Situation noch dadurch abschließen konnte, dass er Kahê zu einer nennenswerten Torchance (45.) verhalf, blieb die Sahne auf jenem Kuchenstück.

Ob der in den Minuten vor der Halbzeit offenbarten Drangphase verkniff sich Jupp Heynckes Wechsel während der Halbzeitpause, musste aber wenige Sekunden nach Wiederbeginn wie die mit der Borussia fiebernden Zuschauer mit Entsetzen mitansehen, wie Verteidiger Zé António völlig desorientiert mit einem kapitalen Schnitzer im Aufbauspiel Jörg Böhme zum Torerfolg quasi einzuladen schien. Erfreulich wenigstens, dass Böhme ebenso verblüfft war und aus dieser Leichtfertigkeit kein Kapital zu schlagen wusste. Offensichtlich aufgewühlt von dieser Situation arbeitete sich die Borussia wieder kontinuierlich in die Nähe des Bielefelder Tores und versuchte, ob über Neuville oder Kirch oder den weite Wege absolvierenden Kahê, Situationen zu kreieren.
Diese Entschlossenheit mündete um die sechzigste Minute herum in eine Art Powerplay. Das Spiel hatte unweigerlich seinen Höhepunkt erreicht, als Korzynietz in allerletzter Sekunde vor dem einschussbereiten Insúa zur Ecke klären konnte, seine Mitspieler es bei dem folgenden Standard aber nicht verhindern konnten, dass Kahê mit all seiner physischen Wucht den zwischenzeitlich nun längst verdienten Führungstreffer für Borussia herbeiführte.

Die Borussia in Führung, den Großteil der Zuschauer erfreute dies. Und auch die Borussia schien von sich selbst so überwältig, dass sie schließlich fast komplett ihre Offensivbewegungen einstellte und quasi mehrheitlich beschloss sich in stupiden Abwehrmanövern zu trainieren. Richtiger umschrieben, zog sie sich zu weit in ihre eigene Hälfte zurück, überließ den Gästen völlig die Initiative und den Ballbesitz und ließ ihre eigenen Angriffsversuche durchgehend dürftiger werden. So hatte sie sich nicht zu wundern, dass Bo Svensson, im Grunde als Turm in der Schlacht, mehrfach mit seinem Kopf klärend zur Stelle sein musste. Auch nicht wundern durfte sie sich, dass Marcell Jansen nach 70 Minuten als Nothelfer Retter zu spielen hatte, als er dem gerade eingetauschten Bielefelder Kucera, der frei vor Keller den Ball in den Fuß gespielt bekam, das Spielgerät im letzten Moment noch vom Spann spitzeln konnte; Ndjeng hatte blitzartig mit einem einzigen Paß die defensive Schaltzentrale um den (angeschlagenen) Eugen Polanski ausgehebelt.

Sicherlich waren die Bemühungen der Arminen, die nun erheblicher den Weg zum Borussentor suchten, nicht von oberster Güteklasse, jedoch unterbot sich die Borussia während dieser Phase in Gruseligkeiten. Keine ordentliche Bewegung zum Ball wurde mehr vollzogen, selten endete ein Zuspiel beim Mitspieler, kaum wurde in dieser Phase agiert. Hatte Borussia vor und nach der Pause ihre beste Phase der Partie, nach dem Führungstreffer begann ihre abscheulichste. Sie schwamm, ließ sich treiben und blieb selbst ihr hartnäckigster Widersacher. Trotzdem hielt Jupp Heynckes bis zur 81. Spielminute an seiner Anfangskomposition fest und entschied sich erst dann für einen Doppelwechsel, der Delura und Thijs neunminütige Spielpraxis vermitteln konnte. Weiterhin änderte sich an dem nun vorherrschenden Bild an der Hennes-Weisweiler-Allee nichts, Borussia wurde defensiv gebunden, wirkte zeitweise ein noch bisschen überforderter, mogelte sich letztlich aber noch am bösen Ende lang. Beinahe hätten die wackeren Arminen, denen am Ende vor allem Zielwasser fehlte, sogar noch einen zweiten Gegentreffer durch einen Eckball kassiert, doch Hain vermochte den platzierten Kopfball von Thijs in der Nachspielzeit mit der Brust auf der Torlinie zu blockieren.

Vom individuellen Gesichtspunkt her gefielen bei der Borussia, dem Siegerteam, der sich aufopfernde Kahê und Abwehrspieler Bo Svensson, auf den defensiv Verlass war und der dem wesentlich beschäftigungsfreieren Kasey Keller freundlicherweise das Gros jener Aufgaben vorenthielt. Positiv anzumerken ist darüber hinaus auch, dass die Mannschaft (so sehr man ihr ob dieser Leistung fußballerische und auch taktische Mängel vorhalten kann) sich bis zum Schluss als arbeitendes Team bewähren wollte und konnte. So wird von dieser Begegnung in erster Linie das Ergebnis in der Erinnerung haften bleiben, da Trainer Heynckes sich in der nun anstehenden Spielpause (bis zum Pokalspiel gegen Roßbach) den angedeuteten Mängeln in eingehender Form abermals widmen können sollte. Insofern gilt es also vordergründig das Ergebnis zu verbuchen und zu registrieren, dass sich doch schon sechs Zähler auf dem Konto angesammelt haben. Zähler, die selbstredend Verpflichtung sind, sich ausdauernd fürsorglich der weiterhin vorhandenen und hier vereinzelt doch in eklatanter Weise zu Tage gekommenen Mängel im Spiel zu widmen.

Tor: 1:0 Kahê (60.)

Borussia
: Keller - Bögelund, Svensson, Zé António, Jansen - Kirch, Polanski (Thijs 81), Insúa (Helveg 87), El Fakiri - Kahê (Delura 81), Neuville

Ersatz: Heimeroth (Tor), Sverkos, Levels, Thijs, Rafael.

Bielefeld: Hain - Korzynietz, Westermann, Borges, Schuler - Kauf - Kamper, T. Marx (Kucera 56), Masmanidis, Böhme (Kobylik 78) - Eigler (Ndjeng 65).

Schiedsrichter
: Wolfgang Stark (Landshut)

Zuschauer
: 41.129 (76,13 %)

Datum;  Spieltag: Samstag, 26. August 2006;  3. Spieltag 2006/07

Gelbe Karten (Borussia)
: -

Gelb-Rote Karten
: -

Rote Karten
: -

Besondere Vorkommnisse
: Erstmals trat Jörg Böhme, der im Sommer die Borussia verlassen hatte, wieder in einem Punktspiel gegen sie an. Mit Bernd Korzynietz stand ein weiterer ehemaliger Borussenspieler für Bielefeld aktiv am Ball.

... lade FuPa Widget ...

Borussia Mönchengladbach auf FuPa

... lade FuPa Widget ...

Borussia Mönchengladbach auf FuPa

Twitterfeed


Folge uns auf Twitter