Borussia hat die erste undankbare Hürde der neuen Saison erfolgreich gemeistert. Mit 2:0 gewann man nach einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit standesgemäß, nachdem man sich zur Halbzeit bei Kasey Keller sowie der Cottbuser Abschlussschwäche bedanken konnte, nicht deutlich in Rückstand geraten zu sein.

Jupp Heynckes reagierte auf die personellen Engpässe – ausgelöst durch die Ausfälle von Sonck, Daems, Svärd und Degen – mit einem versuchten 4-3-3-System, das im defensiven Mittelfeld von Peer Kluge und Eugen Polanski als Doppel-Sechser abgesichert wurde. Eine Variante, die im Testspiel gegen Galatasaray Istanbul nicht optimal geklappt hatte. In der Sturmmitte wurde Oliver Neuville auf den Außen flankiert von Michael Delura und Nando Rafael, die sich aber im Laufe des Spiels immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen ließen. Neuzugang Federico Insua dagegen pendelte durchaus zwischen offensivem Mittelfeld und hängender Spitze, was ihm für seinen ersten Auftritt in bemerkenswert guter Form gelingen sollte. 

Das Spiel vor 47.638 Zuschauern begann genau so wie man es sich erhofft hatte. Schon in der 2. Minute kam Delura erstmals über die für ihn spiegelverkehrte rechte Seite in den Strafraum, von wo aus er mit einer guten Flanke Oliver Neuville einzusetzen versuchte. Nur wenige Zentimeter trennten unseren WM-Torschützen vom so sehnlich erhofften frühen Führungstreffer, den Piplica soeben verhindern konnte. 

Wer gehofft hatte, Borussia würde jetzt mit der durchaus offensiven Aufstellung das Spiel bestimmen und gegen sich defensiv einzementierende Cottbuser Chance um Chance zu erarbeiten versuchen, wurde bitter enttäuscht. Weder gelangen Borussia im Folgenden allzu konstruktive Angriffe. Noch waren die Lausitzer gewillt, auf eigenes Offensivspiel gänzlich zu verzichten. Ein erster Weckruf in der 8. Minute wurde von Energie-Stürmer Radu noch allzu kläglich vergeben. Aber bereits in dieser Szene deutete sich an, was das weitere Geschehen der ersten Halbzeit bestimmen sollte. Den Cottbuser gelangen einige gefällige Zuspiele in den Strafraum, allzu oft begünstigt durch Stellungsfehler oder schwache Abspiele unserer Defensive. Im Abschluss wurden die Bälle dann aber allzu leichtfertig hergeschenkt. In diesem Fall trudelte der verzogene Ball aus 7 Metern klar am rechten Tor vorbei.  

In Minute 14 der nächste Defensiv-Bock Borussias, dieses Mal in Person von Kaspar Bögelund, der seine rechte Seite verwaist ließ und somit einen gefährlichen Energie-Konter zuließ. Glück für Borussia, daß Radu das ungenaue Zuspiel nicht mehr ganz erreichte. 

So hatte sich Cottbus nach 20 Minuten bereits ein leichtes Chancenplus erarbeiten können und wirkte in seinen Offensivbemühungen zwingender und gefährlicher als der Gastgeber. Bei unserer Borussia waren die befürchteten Abstimmungsprobleme deutlich zu erkennen. Gerade zwischen den Angreifern wurde viel lamentiert, weil das Zusammenspiel haperte. Trotzdem kam Borussia nun für ein paar Minuten wieder etwas besser in die Partie und in Person des bemühten und sehr präsenten Insua zur nächsten Möglichkeit. Ein schöner Paß von Neuville schickte den Argentinier in die Gasse, der sich den Ball an Tomislav Piplica vorbeilegte, anstatt über ein „geschicktes“ Einfädeln einen Elfmeter zu provozieren. Selbst wenn dieses Verhalten als „unclever“ gewertet werden könnte, sei die faire Einstellung des Regisseurs gelobt, der – anders als vergangene Möchtegern-Spielmacher unserer Borussia – im Strafraum lieber den Abschluss suchte anstatt einen „linken“ Fußball. In diesem Fall wurde er leider nicht belohnt, denn den Richtung Seitenaus rollenden Ball konnte Insua nicht mehr entscheidend unter Kontrolle bringen. 

Richtig Fahrt nahm das Spiel erst ab der 37. Minute wieder auf, was aber weitgehend an den Gästen lag, die in der Schlussphase der 1. Halbzeit mit Macht auf den Führungstreffer drängten. So war es in jener 37. Shao, der Kasey Keller erstmals in den Blickpunkt des Geschehens rückte. Mit einem Lupfer über den falsch postierten Bo Svensson war der Chinese urplötzlich 6 Meter vor dem Tor frei aufgetaucht und versuchte sich mit einer etwas missglückten Direktabnahme, die aber von Kasey Keller ebenso bravourös abgewehrt wurde wie der anschließende Nachschuss. 

Direkt im Anschluss setzte Rückkehrer Lawrence Aidoo sein erstes Ausrufezeichen, indem er Polanski von hinten umsenste und mit der Gelben Karte noch gut bedient war. Doch kurze Zeit später die nächste 100%ige Torchance für Energie, die sich im Borussen-Strafraum den Ball nach Belieben zuspielen konnten. Ein gezielter Paß setzte den nächsten Rückkehrer Marco Küntzel perfekt in Szene, der urplötzlich am linken Eck des Fünfmeterraums frei stehen durfte. Sein Pass auf Radu konnte von diesem dann aber erneut nicht verwandelt werden, da Polanski in seiner besten Szene im letzten Moment entscheidend störte. Doch selbst jetzt war der Ball noch heiß, wurde von Küntzel aber aus wenigen Metern an den Außenpfosten befördert, wobei der Ex-Borusse seine uns bestens bekannte Torungefährlichkeit unter Beweis stellte. 

Im Gegenzug dann endlich mal wieder Borussia mit dem Ansatz eines Angriffs. Die Rechtsflanke von Rafael geriet – wie so oft bei ihm am heutigen Tag – zu weit, landete aber links bei Jansen und Insua. Der Argentinier reagierte blitzschnell und technisch brillant, indem er kurz und scharf auf Neuville zurücklegte, dessen Schuss aber abgeblockt wurde, ehe Polanskis Schuss aus der zweiten Reihe in den Wolken landet. 

Hatte Polanski, der insgesamt eine eher durchwachsene Partie ablieferte, in dieser Phase zwei bessere Szenen, so leistete er sich in der 43. Minute einen Katastrophen-Pass auf Radu, der den mitlaufenden Aidoo bediente. Doch auch der Ghanaer wollte seinem ehemaligen Arbeitgeber offenbar nichts Böses und hob den Ball relativ freistehend aus 10 Metern kläglich übers Tor, wobei ihn der zurückgeeilte Polanski noch etwas irritierte und seinen Fauxpas zumindest zum Teil wieder gutmachte.  

Dies war dann auch die letzte gefährliche Situation in Halbzeit 1, die überraschend eindeutig an die Gäste aus Cottbus ging. Während der Aufsteiger mindestens zwei Tore hätte vorlegen müssen, war das Spiel der Borussia bestenfalls noch als stockend zu bezeichnen. In der Defensive wurde man immer wieder mit einem einzigen Pass ausgehebelt. Offensiv war einzig Insua ein Lichtblick, der bereits in dieser schwachen ersten Halbzeit immer wieder seine Qualitäten andeutete.  

Zur zweiten Halbzeit musste es also besser werden und zum Glück wurde es das auch. Zu Hilfe kam Borussia dieses Mal ein frühes Tor. Während zu Beginn des Spiels die erste und einzig echte Chance in Halbzeit 1 vergeben wurde, machte man es nach dem Wechsel besser. Eingeleitet wurde dies durch Marcell Jansen, der halblinks an der Mittellinie an den Ball gelangt und in seiner unnachahmlichen Art in Richtung gegnerisches Tor marschierte. 30 Meter weiter vorgedrungen schoss er aus 25 Metern stramm in Richtung Piplica und zwang diesem zu einer Parade, die aber eine Ecke nach sich zog. Diese wurde in der 51. Minute von links und Neuville aufs Tor gezogen, wo am 5er Bo Svensson bereit stand und den Ball per Kopf ins lange Eck verwandelte. Der Bann war gebrochen und Energie für seine Nachlässigkeit in der Chancenverwertung bestraft.  

Nur 3 Minuten später die Vorentscheidung durch einen Ex-Borussen. Der bereits verwarnte Aidoo zupfte Polanski völlig unnötig im Mittelfeld am Trikot und wurde dafür ein zweites Mal verwarnt, was sein Gastspiel im Borussia-Park vorzeitig beendete. Während sich Borussia im Vorjahr gegen Mannschaften in Unterzahl oft schwer tat, sollte man das Geschehen in den folgenden 35 Minuten völlig im Griff behalten. Die Cottbuser sahen sich angesichts ihrer nun auch numerischen Unterlegenheit immer mehr gezwungen, diese Defizite durch zusätzliche Härte auszugleichen. 

Nach 57 Minuten setzte eine geniale Weiterleitung von Insua auf Nando Rafael den nächsten Glanzpunkt. Der Ex-Herthaner legte den Ball dann aber etwas unpräzise auf Neuville zurück, so dass dieser nicht an den Ball kommen konnte. Nur 2 Minuten später setzte Delura den am Strafraum völlig frei stehenden Peer Kluge in Szene, der in diesen eindrang und von Sidney plump von den Beinen geholt wurde. Den fälligen Strafstoss ließ sich WM-Elfmeter-Held Oliver Neuville nicht nehmen, der mit einem platzierten Schuss nach links seinen ersten Saisontreffer markierte. Ein Tor, eine Vorlage. Für Neuville beginnt die neue Saison genauso erfolgreich, wie die letzte mit der WM endete.  

In der 62. Minute noch mal ein Aufflackern der Lausitzer, die aber spätestens durch das 0:2 den Glauben an eine Überraschung verloren hatten. Erst ein weiterer katastrophaler Rückpass eines Borussen – dieses Mal von Delura – setzte Radu in Szene, der Munteanu gut einsetzte. Doch der Rumäne konnte mit seinem schwachen Schuss aus 15 Metern nur Keller ein weiteres Mal glänzen lassen. 

Millimeter trennten Borussia in der 67. Minute vom 3:0, als ein tödlicher Insua-Pass Peer Kluge frei schickte. Dieser befand sich aber hauchdünn im Abseits, so dass sein überlegtes Zuspiel auf Neuville und dessen anschließendes Tor zurecht keine Anerkennung fanden.  

Nach kleineren Möglichkeiten für Polanski per Kopf (72.) und Delura per Fernschuss (73.) war in der 75. Minute das dritte Tor endgültig fällig. Ein herrlicher Rückpass von Insua auf den 10 Meter vor dem Tor stehenden Nando Rafael wurde vom eingewechselten El Fakiri geschickt durchgelassen. Doch der Angolaner wusste mit seiner Freiheit nichts anzufangen, sondern verzog das Leder weit übers Tor.  

In der folgenden Minute patzte Nando auch auf der anderen Seite bei der letzten großen Chance für Cottbus. Seinen Querschläger nach einer Ecke musste Keller gegen den einschussbereiten Mc Kenna ausbügeln, was ihn aber gewohnt souverän gelang.  

Die Möglichkeiten folgten jetzt im Minutentakt. So in der 76., wo Bögelund mit seiner besten Offensivaktion El Fakiri in die rechte Strafraumecke schickte. Der Norweger schaufelte den Ball gekonnt in die Mitte, wo Oliver Neuville per Seitfallzieher sein Glück versuchte und nur knapp am rechten Tor vorbei zog.  

Begeisterung beim Publikum löste wenig später die Einwechselung des heimgekehrten Lieblings Vaclav Sverkos aus. Der Tscheche agierte in seinen 10 Minuten auffällig, aber erneut eher unglücklich. So insbesondere in der 84., wo er aus 20 Metern eigensinnig den direkten Weg zum Tor suchte und seine Chance mit einem Kullerball abschloss, während auf der linken Seite Marcell Jansen völlig frei gelaufen war und bei einem Zuspiel eine 100%ige Chance bekommen hätte.  

Auch die letzte Aktion des Spiels gebührte Sverkos, der einen erneut genialen Insua-Pass aber nicht mehr ganz erreichen konnte und somit Piplica nicht zu überwinden verstand. 

Der Argentinier krönte mit dieser Szene einen höchst gelungenen Einstand. Auch wenn er letztlich an keinem der beiden Tore direkt beteiligt war, leitete er mehrere gefährliche Offensivaktionen ein und deutete an, dass er genau das bieten kann, was wir seit Jahren so schmerzlich vermisst haben. Neben Insua war natürlich Doppel-Assistler Oliver Neuville ein wesentlicher Faktor für den Sieg, wenngleich der Titel „Man of the Match“ an diesem Nachmittag eindeutig Kasey Keller zugewiesen werden muss, der gerade in der Schlussphase der ersten Halbzeit das Remis rettete. Auch der eingewechselte El Fakiri machte in seinen nur 20 Minuten einen gegenüber der letzten Rückrunde deutlich verbesserten Eindruck. Nachdem ihn viele in der Vorbereitung bereits abgeschrieben hatten, sollte man ihn gerade wegen seiner Fähigkeiten in der Torvorbereitung weiter auf dem Zettel haben. Nando Rafael dagegen lieferte ein unglückliches Spiel ab. Auf der anderen Seite war auch das Spiel von Delura in ähnlicher Weise oft unpräzise und zu wenig zwingend, wobei der Ex-Hannoveraner noch den einen oder anderen Lichtblick vorweisen konnte. Auch bei Polanski wechselten sich Licht und Schatten ab, so dass noch einiges Steigerungspotential bei einigen Spielern vorhanden ist.  

Insbesondere beim nun anstehenden Auswärtsspiel beim Tabellenführer aus Nürnberg wird eine Leistung wie an diesem Tage womöglich in einem Debakel enden. Eine kaltschnäuzige Offensive des Gegners hätte uns bei den Chancen, die unsere Defensive zuließ, schon frühzeitig ausgeknockt. Am Ende stehen dann aber doch die so wichtigen 3 Punkte, die aufgrund der zweiten Halbzeit insgesamt als verdient angesehen werden können. Es wartet noch einiges an Arbeit auf Jupp Heynckes, um die unnötigen Defensivschnitzer abzustellen und das Zusammenspiel zwischen den offensichtlich noch zu wenig abgestimmten Spielern zu fördern. Für den Anfang können wir aber erst einmal beruhigt feststellen, dass wir trotz der erwarteten Anlaufschwierigkeiten die erste Hürde genommen und den ersten Sieg eingefahren haben.

Borussia
: Keller – Bögelund, Svensson, Zé Antonio, Jansen – Polanski, Kluge (El Fakiri 70), Insua – Rafael (Sverkos 80), Neuville (Kirch 87), Delura.

Ersatz: Heimeroth - Helveg, Levels, Kahê.

Cottbus: Piplica – Küntzel (Baumgart 69), Kukielka, McKenna, Sidney – Rost, Aidoo, Szelesi, Shao, Munteanu (Rivic 66) – Radu (Gunkel 81).

Tore: 1:0 Svensson (51.), 2:0 Neuville (60.)

Zuschauer: 47.638 (88,18 %)

Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)

Gelbe Karten (Borussia): -

Gelb-Rote Karten: Aidoo (54., wiederholtes Foulspiel)

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Erstmals seit dem 17. Juni 1987 war Jupp Heynckes bei einem Pflichtspiel Trainer bei der Borussia, damals siegte sie vor 13.500 Zuschauern am Bökelberg 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg durch Tore von Rahn (2), Dreßen und Frontzeck. Ihre ersten Punktspiele für Borussia absolvierten heute Michael Delura und Federico Insúa, Bo Svensson erzielte erstmals Borussias erstes Tor in einer Saison. Die Partie gegen Energie Cottbus war die erste Begegnung beider Teams seit April 2003, einem 1:1 (Borussentor: Pletsch) in der 1. Bundesliga. Energie Cottbus wartet seit dem 12. Spieltag der Saison 1999/2000, überhaupt ihrem ersten Auftritt in Mönchengladbach, auf ein Tor in einem Auswärtsspiel gegen Borussia. Damals traf Sebastian Helbig zum 2:2-Endstand, das andere Energietor erzielte Vasile Miriuta.

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