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In diesen Tagen wird viel darüber diskutiert, wer oder was den Fußball zerstört. Durch die neue Serie der Football-Leaks wird einem vor Augen geführt, wie verkommen das Fußballumfeld ist, in dem wir uns bewegen und wie wenig es dabei noch um den Sport an sich geht. Stattdessen stehen in erster Linie Geldvermehrung und Vermarktungsstrategien im Fokus der handelnden Entscheider. Wer ein tatsächlich prägnantes Beispiel dafür sucht, wie der Fußball derzeit von rein geschäftlichen Interessen gekapert wird, der schaue auf die deutsche Vertriebstochter eines österreichischen Getränkekonzerns und deren leitenden Angestellten Ralf Rangnick.

Dieser ließ sich im Nachgang zum Euro-League-Spiel in Salzburg einige interessante Statements zur Prioritätensetzung der deutschen Konzernfiliale entlocken. Im Kicker (Link) wird Rangnick wie folgt zitiert: „Priorität liegt auf der Bundesliga, …, bei uns beschäftigt sich deshalb gerade niemand mit der Euro-League. Bei uns würde mit Sicherheit nicht die Welt untergehen. Bitter wäre das (Anmerkung der Redaktion: gemeint ist das Ausscheiden aus der Euro-League) für uns sicher nicht. … Wenn sich Hoffenheim im vergangenen Jahr im Winter nicht aus der Europa-League verabschiedet hätte, dann wären sie nie in der Champions League gelandet. Das sieht Julian Nagelsmann genauso. Unser Ziel ist es, nächstes Jahr in der Champions League zu spielen. Da werden wir alles reinhauen. Das ist unser ganz großes Ziel. Das sind unsere Festtage. Sollten wir in der Rückrunde nicht mehr in der Europa League sein, dann verringert das sicher nicht unsere Chancen auf die Champions League.

Diese Aussage belegt zunächst: Die nach der Auslosung der Euro-League mit der deutschen und der österreichischen Konzernfiliale in einer Gruppe befürchtete Manipulation des Wettbewerbs hat tatsächlich stattgefunden, nur in ganz anderer Weise als erwartet: Nicht die österreichische Konzernfiliale hat die deutsche Schwestergesellschaft gewinnen lassen, sondern umgekehrt: Die deutsche Vertriebstochter hatte gar keine Lust, gegen die österreichische Vertriebstochter zu gewinnen. Konzernstrategisch ergibt das auch absolut Sinn. Nach mehr als 10 Jahren vergeblicher Versuche, sich endlich einmal für die Champions League zu qualifizieren, hat man wohl eingesehen, dass diese Bühne für einen Verein aus der vergleichsweise schwachen österreichischen Liga zu groß ist. Man hat aber entdeckt, dass man angesichts des Abwanderns der wirklich Großen in die Champions League in der Europa League weit kommen und damit einen wertvollen europaweiten Marketingbeitrag zur noch weiteren Verbreitung der Getränkedose leisten kann. Deshalb hat man mutmaßlich die Entscheidung getroffen, sich in Österreich auf die Europa League und in Deutschland auf die Champions League zu konzentrieren.

Wenn Rangnick behauptet, die Priorität liege auf der Bundesliga, dann sagt er im Grunde genommen nicht die Wahrheit. Herrn Rangnick und dem Unternehmen, für das er arbeitet, geht es nämlich nicht um die Bundesliga als Wettbewerb. Herr Rangnick und das Unternehmen, für das er arbeitet, benötigen die Bundesliga nur als Vehikel, um sich für die Champions League zu qualifizieren. Ab dem Zeitpunkt, ab dem das entweder gesichert oder aber nicht mehr erreichbar ist, wird die Bundesliga diesen Herrschaften vollkommen egal sein. Nicht auszuschließen, dass dann Meisterschafts- oder Abstiegsentscheidungen ganz erheblich davon beeinflusst werden, wie viel Lust man bei der deutschen Vertriebstochter des Getränkekonzerns zu diesem Zeitpunkt noch aufs Mitspielen hat.

Warum ist das so? Weil es Herrn Rangnick und dem Unternehmen, für das er arbeitet, gar nicht um Fußball geht. Der einzige Zweck dieses Unternehmens ist die Vermarktung eines Produkts. Und die Champions League bietet nicht nur die Möglichkeit, dieses Produkt weltweit prominent zu platzieren. Nein, die Champions League macht es aufgrund der dort in Form von Vermarktungserlösen für die Teilnehmer verfügbaren Mittel sogar noch möglich, dass sich das Vermarktungsvehikel annähernd selbst trägt, also keine oder jedenfalls weniger Mittel des Konzerns in Anspruch nehmen muss.

Die zitierten Äußerungen von Rangnick sind ein Schlag ins Gesicht aller der Teams in Europa, für die auch die Europa League ein Erfolg und die Spiele in diesem Wettbewerb Festtage sind. Ich denke da an viele kleine Vereine in ganz Europa, ich denke an die Gladbacher Fans in Rom, die Kölner in London und an die Frankfurter Eintracht, die in dieser Saison zeigt, mit welcher Einstellung man diesen Wettbewerb auch angehen kann.

Herr Rangnick hat mal behauptet, als Jugendlicher Gladbachfan gewesen zu sein, wegen des schönen Fußballs. Was Herr Rangnick, dessen Wandlung vom mitreißenden Erklärer der Viererkette zum zynischen Vollstrecker einer Vermarktungsidee nur schwer nachvollziehbar ist, nicht verstanden hat ist, dass schöner Fußball auch von der Emotion lebt, nicht nur von der der spielenden Teams, sondern auch von der auf den Rängen und im Umfeld. Und die kann man mit Vermarktungsstrategie gepaart mit schwäbischer Technokratie nicht kaufen.

Angesichts der Begleitumstände verspürt man wenig Lust, über das bevorstehende Spiel zu schreiben. Bei Borussia fallen Ginter, Kramer und Hofmann aus. Ginter wird vermutlich durch Jantschke ersetzt, bei Hofmann gibt es mehrere denkbare Varianten: Man könnte – da es gegen die deutsche Konzernfiliale meist viele Zweikämpfe im Mittelfeld gibt – auf Zakaria setzen. Alternativ wäre ein Zurückziehen von Lars Stindl denkbar, für den in der Spitze Raffael begänne.

 

Denkbare Aufstellungen

Borussia Mönchengladbach: Sommer - Lang, Jantschke, Elvedi, Wendt - Strobl - Neuhaus, Stindl – Hazard, Plea – Raffael

Ekelbrause: Gulacsi - Klostermann, Konaté, Orban, Saracchi - Laimer, Ilsanker - Matheus Cunha, Bruma - Augustin, Werner

 

Der SEITENWAHL-Tipp:

Uwe Pirl: Das Zentralstadion war bisher nur selten ein gutes Pflaster für Borussia. Dennoch glaube ich an den momentanen Lauf. Borussia gewinnt 2:1.

Christian Spoo: Der Höhenflug endet beim Projekt. Leipzig zerlegt die wackelige ginterlose Borussen-Defensive. 4:1 für die miesen Mateschitze.

Michael Heinen: Ein offener Schlagabtausch findet am Ende leider den falschen Sieger. Borussia unterliegt in Leipzig unglücklich mit 1:2.

Claus-Dieter Mayer: In Leipzig zeigt die Borussia, dass sie auch beißen kann; in einem nicht sonderlich niveauvollem aber hart umkämpften Spiel erringt man letztendlich ein 1:1.

Thomas Häcki: In Leipzig befindet sich für die Borussia der Boden der Tatsachen. An dem 1:3 gibt es leider nichts zu deuteln.


 

 

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