Der 1. FSV Mainz 05 ist keiner der sogenannten Traditionsvereine, sondern noch ein recht „junger“ Bundesligist. In den 80er Jahren noch im Amateurfußball angesiedelt, dann längere Zeit in der 2. Bundesliga, hat sich der Verein erst nach der Jahrtausendwende auf den Weg nach oben gemacht. Mittlerweile spielt man die zwölfte Saison in der 1.Bundesliga und ist seit der Saison 2009/10 ununterbrochen dabei. Rein statistisch weist die Geschichte dieses Aufstiegs Parallelen zu der unseres letzten Gegners – der TSG „1899“ Hoffenheim – auf.

Mainz 05 repräsentiert aber das genaue Gegenteil dessen, wofür Hoffenheim steht: Hoffenheim machte sich mit den unbegrenzten finanziellen Mitteln des Gönners Dietmar Hopp auf den Weg in die Bundesliga und löste damit eine berechtigte Debatte über Wettbewerbsverzerrung durch Investoren im Fußball aus. Mainz 05 hatte keinen Gönner, aber das Glück, mit Christian Heidel einen fähigen Manager zu besitzen, der mit Jürgen Klopp und Thomas Tuchel wiederum äußerst starken Trainern den Weg zu einer großen Karriere ebnete. So ist Mainz 05 – neben dem SC Freiburg – das Musterbeispiel dafür, dass die Strukturen des Wettbewerbs im deutschen Profifußball noch hinreichend durchlässig sind, um auch einem „kleinen“ Verein den Aufstieg und die Etablierung in der Beletage des deutschen Fußballs zu ermöglichen. Freilich muss dafür eine ganze Menge richtig gemacht werden. Und sicher gehört auch viel Glück dazu. Beides - Glück und Geschick - hat Mainz 05 gehabt, weshalb sich der Verein aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt auch nie einer Diskussion um Tradition und Wettbewerbsverzerrung stellen musste und im allgemeinen als sympathische Bereicherung der Bundesliga angesehen wird.

Klar ist aber auch: Je mehr (Investoren-)Projekte wie Hoffenheim, der österreichische Getränkevertrieb oder auch die VW-Filiale aus Wolfsburg am Start sind, desto geringer werden die Chancen von Vereinen wie Mainz oder Freiburg, sich aus eigener Kraft einen Platz in der Bundesliga zu sichern. Aus diesem Grund darf die Diskussion über Chancengleichheit im Fußball nie enden, auch wenn das den Verbänden und potentiellen Investoren nicht schmeckt.

Prägende Trainer sind auch ein Phänomen, dass es in der Historie von Borussia Mönchengladbach hinreichend gibt: Weisweiler, Lattek, Heynckes, Krauss – in der jüngeren Vergangenheit jedoch vor allem Hans Meyer und Lucien Favre. Beide feiern in dieser Woche einen runden Geburtstag – Meyer wird 75, Favre 60. Beide eint eine Liebe zu schönem offensiven Fußball, ohne gleichzeitig die Fähigkeit zu verlieren, defensiv zu spielen, wenn die aktuelle (Spiel-)Situation oder die grundsätzliche Qualität des gerade betreuten Teams gerade nichts anderes hergeben. Beide waren absolute Glücksfälle für Borussia Mönchengladbach, ohne die der Verein heute nicht dort stände, wo er ist. Auch wenn die beiden wahrscheinlich keine SEITENWAHL-Leser sind: Wir gratulieren herzlich!

Zurück zum aktuellen Fußball: Nach 10 Spieltagen – so lautet eine Weisheit – hat sich die Tabelle sortiert. Der Blick auf die aktuelle Bundesligatabelle bestätigt das: Von den ersten acht Vereinen hätte man sieben ungefähr dort erwartet, wo sie gerade stehen. Aus dem Rahmen fällt der starke Aufsteiger Hannover. Borussia Mönchengladbach ist trotz der beiden verheerenden Pleiten in Dortmund und daheim gegen Leverkusen gut dabei, bei einem Sieg winkt eine Verbesserung der Platzierung sowie die Zementierung des Abstandes nach unten.

Für dieses Vorhaben muss Dieter Hecking neben den bekannten Langzeitverletzten auch auf Jonas Hofmann und Ibrahima Traoré verzichten. Letzterer hat erneut Muskelprobleme. Weltmeister Kramer dagegen ist wieder fit und dürfte auch zur Startelf gehören. Damit wäre Ginter trotz seines starken Auftritts in Hoffenheim wieder für die Innenverteidigung frei. Wahrscheinlich rückt Elvedi dann wieder nach rechts, Jantschke müsste in diesem Fall auf die Bank. Offensiv bietet es sich an, Raffael wieder aufzubieten. Hazard würde in dieser Konstellation auf die Außenbahn rücken, Grifo in der Mannschaft bleiben. Schöpft diese Offensive – natürlich auch mit Stindl – ihr Potential aus, dürfte künstlerisch wertvollem Fußball nichts im Wege stehen. Als Alternative stünde Herrmann bereit, der in Hoffenheim ein sehr ordentliches Spiel gemacht hat.

Holtby, Schürrle, Geis, Baumgartlinger, Malli, Okazaki, Karius… - das sind prominente Spieler, die Mainz 05 in den letzten Jahren verlassen haben. In diesem Jahr jedoch haben die Rheinhessen bis auf Jhon Cordoba keinen wichtigen Spieler verloren. Den Verkauf des letztgenannten an den 1.FC Köln dürfte man in Mainz angesichts der Ablöse vermutlich als Geschäft des Jahrzehnts feiern. Die wesentlichsten Neuzugänge auf Mainzer Seite sind Rene Adler (bereits wieder verletzt), Abdou Diallo aus Monaco sowie Alexandru Maxim vom VfB Stuttgart. Neu ist auch der Trainer, seit Beginn der Saison steht mit Sandro Schwarz ein echtes Eigengewächs an der Seitenlinie.

Vor der Saison wurde Mainz allenthalben zu den unwägbaren Mannschaften der Liga gezählt, die bei optimalem Verlauf für eine Überraschung gut sind, bei denen jedoch auch nicht viel schief gehen darf, wenn sie nicht in Abstiegsgefahr geraten wollen. Der im bisherigen Saisonverlauf erreichte Platz im unteren Mittelfeld bestätigt diese Prognose. Mainz wird je nach Situation mit einer Dreier- bzw. Fünferkette sowie zwei eher defensiven Mittelfeldspielern antreten. Für die Offensive sind Öztunali, De Blasis und Muto zuständig.

Auf Borussia Mönchengladbach kommt vermutlich anders als am letzten Wochenende in Hoffenheim eines der nicht so geliebten Spiele zu, in denen der Gegner mit viel Aufwand die Räume eng und gepflegtes Kombinationsspiel schwer macht. Offenes Mitspielen, wie es die Hoffenheimer am letzten Wochenende praktiziert haben, ist eher nicht zu erwarten.

Insofern steht der Mannschaft erneut so etwas wie eine Reifeprüfung bevor: Erst eine überzeugende Leistung gegen Mainz wird die Fans davon überzeugen, dass mittlerweile Stabilität eingekehrt ist.

 

Denkbare Aufstellungen

Borussia: Sommer - Elvedi, Ginter, Vestergaard, Wendt - Kramer, Zakaria - Hazard, Grifo - Stindl, Raffael

Mainz: Zentner - Gbamin, Bell, Diallo - Donati, Brosinski - S. Serdar, Latza - Öztunali, De Blasis - Muto

 

Der SEITENWAHL-Tipp:

Christian Spoo: Borussias Wankelmut macht Prognosen extrem kompliziert. Hat das Team sich gefangen oder liefert es dem Gesetz der Serie folgend jetzt wieder ein Gurkenspiel? Ich will an die Mannschaft glauben und tippe einen weiteren recht souveränen 3:1-Sieg.

Uwe Pirl: Herr Spoo ist optimistisch. Das ist gefährlich … Dennoch glaube auch ich daran, dass die Mannschaft ihre Instabilität überwunden hat. Borussia gewinnt 2:0.

Claus-Dieter Mayer: Mainz bleibt Mainz und damit ein unangenehmer Gegner, aber letztendlich setzt sich die individuell größere Klasse der Borussia mit 2:0 durch; gesungen und gelacht wird nur in Mönchengladbach.

Michael Heinen: Junger Mann (Anm. d. Red: Keine Ahnung, wen er da meint!), gehen Sie davon aus, dass Borussia 2:1 gegen Mainz gewinnen wird. Aber es wird schwer. Das ist klar.

Thomas Häcki: Mainz is ein klarer Sieg. So wie Frankfurt... upps.... und wenn alle meine Redaktionsmitglieder so positiv sind, geht es bekanntlich in die Hose...0:1

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