Borussia kann doch noch gewinnen. Das ist das positive Fazit aus dem Spiel bei Hannover 96. Das ist aber auch das einzig mögliche positive Fazit, denn hätte Borussia diese Partie nicht gewonnen, sie hätte vermutlich keine mehr gewonnen. Hannover zeigte, was es konnte, und das war wenig. Borussia dominierte die Partie über weite Strecken nach Belieben, war aber gewohnt ineffizient und ließ nach der überfälligen Führung durch Raffael in der 53. Minute die Zügel eine Weile fast unerklärlich schleifen. So kam Hannover trotz deutlicher Unterlegenheit noch einmal ins Spiel und auch zu zwei großen Chancen zum Ausgleich. Die konnte der designierte Absteiger nicht nutzen, so dass nach der Partie dort wohl auch die letzte Resthoffnung passé ist. Während Hannovers Weg also vorgezeichnet ist, bleibt der von Borussia Mönchengladbach äußerst undefiniert. Auch die Konkurrenz aus Bremen und Leverkusen konnte gewinnen, so dass der Sieg in Hannover nicht mehr ist, als die Chance auf die Euro-League zu wahren. Trainer Dieter Hecking ließ die Mannschaft wie schon beim 1:1 gegen Bremen im 3-5-2-System antreten, wobei Stindl für Raffael ins Team kam. Diese Änderung hielt keine fünf Minuten. Stindl musste nach einem Zusammenprall mit Ostrzolek das Feld verlassen, Verdacht auf Schienbeinbruch. Raffael musste also wieder ran. In der Folge erspielte sich Borussia zahlreiche gute Tormöglichkeiten, konnte aber keine davon nutzen. Mal versuchte es Hazard mit einem Torwart-Tunnel, mal schlenzte Neuhaus über das Tor, immer hatte man das Gefühl, dass die letzte Zielstrebigkeit fehlt. Im Spiel nach hinten war Borussia aufmerksam, viele Bälle fingen schon die äußerst engagierten Sechser Kramer und Zakaria im Mittelfeld ab. Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: Hannover war bemüht aber chancenlos, Borussia machte das Spiel. Der ansonsten bestenfalls unauffällige Raffael machte dann das zunächst für erlösend gehaltene Führungstor: Seinen Schuss im Sechzehnmeterraum fälschte sein ehemaliger Teamkollege Julian Korb ab, der Ball senkte sich über den guten und in diesem Fall chancenlosen Torwart Esser in den Kasten der Gastgeber. Kurzzeitig hatte man danach das Gefühl, als wolle Borussia den Sack wirklich zu machen, aus unerfindlichen Gründen nahm die Dominanz nach etwa einer Stunde aber spürbar ab. Zunehmend schlichen sich Nachlässigkeiten ein, nach vorne probierten die Gladbacher fast nichts mehr, stattdessen kam Hannover zu Gelegenheiten. Die größte - einen Schuss von Weydandt - parierte Yann Sommer. In den letzten zwanzig Minuten des Spiels passierte nicht mehr viel. Jonas Hofmann kam, ohne Schaden anzurichten, Michael Cuisance kam, um zu beweisen, dass er der Mannschaft zur Zeit keinen Millimeter weiterhilft, mit Denis Zakaria schied einer der Besten verletzt aus - die Diagnose ist noch offen. Kurz vor dem Ende hatte Raffael die Entscheidung auf dem Fuß. Der bis dahin unsichtbare Plea setzte sich im Strafraum energisch durch und prüfte Esser mit einem starken Schuss. Den Abpraller bugsierte Raffael am im Grunde offenen Tor vorbei. Unter dem Strich stehen drei Punkte, die zweifellos verdient waren. Ob Borussia allerdings tatsächlich auf der Zielgeraden die noch nötigen Punkte holen kann, bleibt offen. Sollte die Leistung von Hannover das Maximum sein, dass die Mannschaft im Moment auf den Platz bringen kann, wäre ein erfolgreicher Saisonabschluss fast schon eine Überraschung. 

Hannover: Esser - Korb, Anton, Felipe, Ostrzolek - Bakalorz, Schwegler (64. Muslija) - Haraguchi (81. Soto), Müller, Maina (87. Bech) - Weydandt

Borussia: Sommer - Ginter, Strobl, Elvedi - Kramer, Zakaria (81. Cuisance) - Hazard, Neuhaus (75. Hofmann), Herrmann - Stindl (05. Raffael), Plea

Tor: 1:0 Raffael (53.)

 

 

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