Es hätte der krönende Abschluss eines überragenden Halbjahres werden können. Statt den Rückstand zur Spitze auf drei Punkte zu verkürzen und damit für die Rückrunde einen Dreikampf um die Meisterschaft auszurufen, verabschiedete sich Borussia durch das 1:2 in Dortmund vom nur kurz geträumten Titeltraum. Nach der Winterpause kann sich die Fohlenelf voll auf die Absicherung des Vorsprungs gegenüber der nachrückenden Konkurrenz konzentrieren. Platz 3 mit 33 Punkten und einem identischen Torverhältnis mit dem FC Bayern, die zweitbeste Offensive und Defensive der Bundesliga. Borussia hat allen Grund froh und stolz in die Winterpause zu gehen.

Damit es aber nicht wie im Vorjahr einen Absturz im Frühjahr gibt, sollten auch die Warnzeichen der letzten Spiele nicht übersehen werden. In den letzten drei Auswärtsspielen war die Mannschaft den direkten Konkurrenten um die Champions-League-Plätze jeweils klar unterlegen. Richtig überzeugt hat Borussia auf fremden Plätzen nur in Bremen und München, mit Abstrichen war noch das 2:2 in Wolfsburg akzeptabel.

In der Rückrunde besteht die Chance, diese Auswärtsbilanz mit bislang lediglich 9 Punkten aus 9 Spielen aufzupolieren, wenn die Fohlenelf zumeist zu Teams aus der unteren Tabellenhälfte reisen wird. Tritt man dort auf wie z. B. in Freiburg oder Berlin, könnte es bitter werden. Denn allein auf die imposante Heimstärke wird sich Gladbach nicht verlassen können, wenn u. a. mit Leipzig, München und Dortmund die besseren Teams der Liga in den Borussia-Park kommen.

Andererseits sind die Heimsiege gegen die Kleinen nicht kleinzureden. Wie wenig selbstverständlich es ist, z. B. gegen Düsseldorf 3:0 zu gewinnen, hat die letzte englische Woche gezeigt. Borussia war der einzige Klub der Top4, der diese Hürde in dieser Hinrunde unbeschadet überstanden hat. Eine Spitzenmannschaft zeichnet es nicht zuletzt aus, gerade diese Pflichtsiege konstant einzufahren. Das ist Borussia in beeindruckender Weise gelungen.

Überhaupt hat die Mannschaft keinen einzigen Zähler unglücklich verschenkt. Alle vier Niederlagen waren verdient, die Unentschieden in Augsburg und Wolfsburg gerecht, das in Sinsheim glücklich und zudem dem einmal mehr hilfreichen VAR geschuldet, der das Hoffenheimer Abseitstor zurecht aberkannte.  Anders als im Vorjahr hat Dieter Hecking in dieser Saison bislang das Optimum aus seiner Mannschaft herausgeholt und damit seine Kritiker – auch auf dieser Seite – widerlegt.

Die schwächeren letzten Wochen offenbarten das Kernproblem Borussias, das im Wesentlichen den Unterschied zur schwachen Vorsaison erklärt. Fallen einige Leistungsträger aus, so ist der Qualitätsverlust deutlich spürbar. In Dortmund war der einzig verbliebene Innenverteidiger ein 18jähriger Jungspund, der gegen Weltklasseangreifer wie Sancho oder Reus verständlicherweise Lehrgeld zahlte. Mit Stindl und Raffael fiel zudem der einstige Topsturm aus. Auch der BVB hatte ähnliche Ausfälle zu beklagen, konnte aber mit Weigl und Götze zwei deutsche Nationalspieler als Ersatz nominieren. Einen 20er-Kader auf annähernd gleich hohem Niveau können sich in der Bundesliga nur die beiden Spitzenklubs leisten, die einen doppelt bzw. dreimal so hohen Umsatz erzielen wie Borussia. Angesichts dieser finanziellen Nachteile und der Ausfälle war das knappe 1:2 in Dortmund aller Ehren wert. In Halbzeit 2 hätte man sich etwas mehr Mut gewünscht, aber wohin das gegen die blitzschnelle BVB-Offensive hätte führen können, verdeutlichte der Pokalauftritt gegen Leverkusen.

Max Eberl wird sich in der Winterpause fragen müssen, ob er darauf vertraut, dass Borussias Verletzungsproblem aus den letzten Jahren tatsächlich überwunden ist, wie die ersten Monate der neuen Saison vermuten lassen. Bis auf die unglückseligen Doucouré und Raffael sollten alle derzeit Verletzten zum Rückrundenstart wieder verfügbar sein. Ob dies aber über 17 weitere Spieltage so bleibt, darauf sollte er sich nicht unbedingt verlassen. Je eine weitere brauchbare Alternative vorne wie hinten würden das Risiko minimieren, in eine ähnlich prekäre Situation zu kommen wie zuletzt und damit die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr in die Champions League deutlich erhöhen.

Auch wenn die beiden Topeinkäufe des Sommers in den letzten Wochen besonders schwächelten, haben Plea und Lang – genau wie Neuhaus das Niveau der Mannschaft noch einmal deutlich erhöht. Während Eberl und Hecking zurecht die öffentlichen Lorbeeren für das tolle Abschneiden kassieren, sei zum Jahresabschluss ein Mann gewürdigt, dem ebenso großer Dank gebührt: Rolf Königs wechselte 1999 in den Vorstand – in einer der schwärzesten Stunden des Vereins – sportlich zwischenzeitlich auf den letzten Platz der 2. Liga abgerutscht, finanziell kurz vor der Insolvenz. Als absoluter Fußballlaie meisterte er zunächst als Vize hinter Adalbert Jordan diese prekäre Situation, um 5 Jahre später nach dessen Tod seine Nachfolge anzutreten. Trotzdem stand er zunächst in der Kritik, weil er sich mit manchmal unbedachten Worten zu sehr ins sportliche Geschäft einmischte und dabei nicht immer den Ton der Fans traf. Doch Königs lernte aus seinen anfänglichen Fehlern. Seine vermeintliche Eitelkeit stellt er seit Jahren in beeindruckender Weise hintan, indem er sich öffentlich bewusst zurückhält und sich fast nur noch in den vereinsinternen Medien äußert. Zudem holte er mit Rainer Bonhof und Hans Meyer zwei absolute Fachmänner ins Präsidium und garantierte so einen gesunden Ausgleich zwischen wirtschaftlicher (Königs, Söllner, Schippers) und sportlicher (Meyer, Bonhof, Eberl) Kompetenz in Borussias Führungsriege.

Diese ausgewogene Kombo ist hauptverantwortlich dafür, dass Borussias Fans in diesen Tagen einmal mehr hoch zufrieden Weihnachten feiern und optimistisch in die Zukunft blicken können. In diesem Sinne wünscht auch Seitenwahl all seinen Lesern, die bis hierhin durchgehalten haben, ein frohes Fest und alles Gute für ein hoffentlich ebenso erfreuliches Jahr 2019.

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