Genau eine Woche Zeit hatte die deutsche Fussballgemeinde um zu diskutieren, ob Borussia Mönchengladbach vielleicht wirklich ein Meisterschaftskandidat sei. Die Art und Weise wie man gegen Hannover einen frühen Rückstand weggesteckt hatte und den Gegner darauf - als sei nix geschehen - souverän mit vier teilweise traumhaften Toren besiegt hatte war beeindruckend genug, um manch einen zweifeln zu lassen, ob dieser zweite Tabellenplatz wirklich nur eine Momentaufnahme sei oder doch eher das Zeichen dafür, dass die Borussia das erste Mal seit Jahrzehnten ernsthaft um den Titel spielen könne. Didi Hamann behauptet dies ja schon seit Wochen. Didi Hamann redet allerdings auch viel Unsinn, wenn der Tag lang ist. Wenn man das Spiel in Leipzig als Evidenz heranzieht lautet die Antwort auf die Frage eher „Nein“.  Auch wenn die Borussia phasenweise gut mitspielte, war der Sieg für RB letztendlich auch genau in dieser Höhe verdient. So grandios die Gladbach Offensive besetzt ist und in den letzten Wochen auch oft geglänzt hat, fand sie gegen die starke Leipzig-Abwehr nur wenige Mittel und so solide unsere Abwehr auch mit Jantschke statt Ginter ist, so waren die Angriffe von RB doch manchmal zu schnell, um sie sauber zu verteidigen. Der Borussia wurden in diesem Spiele ihre Grenzen aufgezeigt.

Man kann mit dem Spielverlauf hadern, der mit der frühen Führung den Leizpigern natürlich in die Karten spielte, aber wenn man in den letzten 5 Spielen dreimal innerhalb der ersten 3 Minuten ein Gegentor einfängt, muss man darüber nachdenken, ob das nur Zufall ist, oder ob die Mannschaft zuindest defensiv Probleme hat, von Beginn an volle Konzentration zu zeigen.  Auch die die Ausfälle von zwei absoluten Leistungsträgern wie Ginter und Hofmann  können in dieser Diskussion nicht als Gegenargument dienen;  ein wahrer Meisterschaftsfavorit sollte so etwas ausgleichen können; Borussia kann das zumindest aud diesem Niveau nicht. Und das Niveau von RB Leizpig ist in dieser Saison – mal abgesehen von den Auftritten in der Europa-League, die man wie schon in unserem Vorbericht thematisiert, nicht sonderlich ernst zu nehmen scheint – ziemlich hoch.

So schade es ist, dass ein Meisterschaftsendspiel gegen den BVB am 34. Spieltag doch eher unwahrscheinlich erscheint, so wird dies aber keinen Gladbach-Fan mit zumindest einem Funken Realismus, sonderlich überraschen oder erschüttern. Die Borussia hat die Qualität an einem sehr guten Tag jede Mannschaft in der Liga zu schlagen, aber um ganz oben zu stehen muss es halt sehr viele von diesen guten Tage geben und das ist unwahrscheinlich. Das oft angeführte Beispiel von Leicester City wirkt da so etwa wie die Zeitungs-Geschichte von diesem Rentnerpaar, das den Jackpot bei den Euro-Millions gewonnen hat: es passiert, aber man sollte nicht damit rechnen!

Den realistischen Leistungstand Gladbachs kann man aus dem Vergleich der letzten beiden Auswärtsspiele erahnen: besser als ein emporkommender EL-Anwärter (Bremen), aber zumindest auswärts und ersatzgeschwächt nicht auf einer Höhe mit einem Top-Anwärter auf einen Champions-League Platz (Leipzig). Realismus ist auch angesagt, wenn es nun in den Endspurt der Hinrunde geht. Angesichts des Unterschieds in der Stimmungslage im Vergleich zum Herbst 2017 mag es erstaunlich klingen, aber in der so vermaledeiten Vorsaison hatte die Borussia zum gleichen Zeitpunkt nur 2 Punkte weniger auf dem Konto als jetzt, bevor ein dramatischer Abfall im Winter statt fand, als man aus den naechsten 10 Partien nur noch 8 Punkte holten konnte und ins Mittelfeld der Liga zurückfiel. Um ähnliches zu verhindern, sollten zumindest die beiden auf dem Papier leichten Heimspiele gegen Stuttgart und Nürnberg gewonnen werden.

Ein Zeichen dafür, dass man bei Borussia alles tun will um diese Saison in international Gefilde zurückzukehren, mögen die Gerüchte um eine erneute Leihe von Andreas Christensen sein. Der Däne kommt in dieser Saison bei Chelsea nicht zum Zuge und wie der Ausfall Ginters zeigt, ist die Innenverteidigerposition beim VFL eher dünn besetzt. Allerdings sollte man anmerken, dass diese Spekulationen eher boulevardesker Natur sind und Dieter Hecking angesichts der erwartenden Rückkehr Ginters zur Rückrunde  zuletzt „keine zwingende Notwendigkeit“ einer Verstärkung sah.

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