Hecking

Nach 10 Spieltagen, so sagt man, sei eine gute Zeit gekommen, um Bilanz zu ziehen. Diese fällt in Mönchengladbach statistisch rundum positiv aus: Mit 20 Punkten ist Borussia noch vor den Bayern auf dem 2. Rang platziert. 6 Siege, u. a. gegen Leverkusen, Schalke und in München, sowie 2 Unentschieden bestätigen, dass sich die Fohlenelf auf einem guten Weg befindet und aus der letzten Spielzeit gelernt zu haben scheint. Die Zahl der Verletzungen hält sich bislang in Grenzen, sodass ein gesunder Konkurrenzkampf auf hohem Niveau stattfindet und teilweise selbst hoch talentierte Spieler wie Cuisance oder Benes nur noch Platz auf der Tribüne finden. Dieter Hecking hat ferner konzeptionelle Weichen gestellt – im Gegensatz zur Vorsaison war in den meisten Partien eine Handschrift zu erkennen und es machte endlich wieder Spaß, Borussia beim Fußballspiel zuzuschauen.

Alles eitel Sonnenschein, könnte man glauben. Die letzten Wochen mit katastrophalen Leistungen in Freiburg und gegen Leverkusen rissen aber erste Zweifel an der Nachhaltigkeit dieses Erfolges auf. Schon bei einem Unentschieden gegen Düsseldorf wäre in Mönchengladbach vermutlich eine Krise herbeigeredet worden. Drei schwache Spiele in Folge sind hierzu in der heutigen Zeit absolut ausreichend. Zum Glück blieb es bei 2 ½ schwachen Auftritten, denn in der zweiten Halbzeit zeigte sich Borussia gegen Düsseldorf deutlich verbessert. Die ganz große Euphorie wollte aber selbst nach dem letztlich souveränen 3:0-Erfolg nicht aufkommen. Zu schwach präsentierte sich der Gegner und zu präsent war noch die Reaktion auf das 4:0 gegen Mainz vor zwei Wochen. Bei aller Freude über die schöne Momentaufnahme: Zu viel Euphorie wäre auch nicht angebracht nach diesen 12 Pflichtspielen, die durchaus die eine oder andere Schwachstelle nicht übertünchen dürfen:

Defensive:

Selbst wenn Borussia am Sonntag ohne Gegentor blieb – fehlerlos präsentierte sich die Viererkette erneut nicht. Oscar Wendt hatte auf seiner Seite erhebliche Schnelligkeitsdefizite. Nicht nur aufgrund seines fortschreitenden Alters – er feierte vor zwei Wochen seinen 33. Geburtstag – muss sich Max Eberl demnächst Gedanken über einen adäquaten Nachfolger machen. Mit Andreas Poulsen und dem dieses Wochenende erstmals bei einem Pflichtspiel für Borussia aufgelaufenen Mamadou Doucouré könnten diese bereits im Kader vorhanden sein. Aktuell scheinen beide aber noch ziemlich weit entfernt davon zu sein, mit dem Schweden ernsthaft in Konkurrenz zu treten.

Es wäre aber unfair, die Abwehrdefizite allein auf den in Fankreisen umstrittenen Wendt zu reduzieren, der noch in den letzten Monaten einige herausragende Leistungen abgerufen hat. Auch Nico Elvedi muss noch viel am Kopfball- und Stellungsspiel sowie an seiner Konstanz arbeiten. Und im defensiven Mittelfeld spielt Strobl zwar solide, aber nicht wirklich auf absolutem Topniveau. Ob Elvedi, Wendt, Strobl oder Lang. Borussias Defensivreihe ist qualitativ eher auf dem Niveau eines Bundesligisten im gehobenen Mittelmaß besetzt. Matthias Ginter und Christoph Kramer sind nicht ohne Grund deutsche Nationalspieler und sollten im Normalfall gesetzt sein – auch wenn selbst sie, wie vergangenen Mittwoch gesehen, kein Garant für fehlerfreie Defensivauftritte sind.

Offensive:

Die schwachen Auftritte in Freiburg und gegen Leverkusen hatten eins gemeinsam: Es fehlte Alassane Pléa. Auch gegen Düsseldorf war es in Hälfte 1 fast ausschließlich der Franzose, der echte Torgefahr ausstrahlte und zweimal knapp scheiterte. Mit Hazard, Raffael und Stindl hat Borussia weitere hochkarätige Offensivkräfte, die ebenfalls in der Lage sein sollten, kompakte Defensivreihen durch ihre individuelle Qualität oder durch schnelles, zielgerichtetes Zusammenspiel zu knacken. Aus dem Vorjahr wissen wir aber, dass ihnen das nicht immer gelungen ist. Von daher ist die Furcht vor einer allzu großen Abhängigkeit von Pléa nicht ganz unbegründet. Der Rekordneuzugang strahlt stets Torgefahr aus und hat zudem ein hervorragendes Spielverständnis. Dass Borussia zudem mit den oben genannten Offensivpartnern zzgl. den dahinter postierten Hofmann, Neuhaus und ggf. Zakaria individuell hochkarätig besetzt ist, gibt Hoffnung, dass der aktuelle Tabellenplatz mehr sein könnte als nur eine schöne Momentaufnahme. Wie nachhaltig diese Qualität aber wirkt, wird sich erst dann zeigen, wenn Pléa einmal über längere Zeit ausfallen sollte oder sich eine Formkrise gönnt.

Auswärtsschwäche:

Der Sieg über Düsseldorf war bereits der achte Heimsieg in Folge. Angesichts der 2018 noch ausstehenden Partien im Borussia-Park gegen Hannover, Stuttgart und Nürnberg sollte Borussia gute Chancen haben, seine Führung in der Bundesliga-Heimtabelle weiter auszubauen. Weit trüber sieht es dagegen beim Blick auf die Auswärtstabelle aus, wo die Fohlenelf mit 5 Punkten aus 5 Spielen im unteren Mittelfeld herumdümpelt. Dies mag zum Teil an den schwierigeren Gegnern liegen, wobei ausgerechnet die Partie beim vermeintlich schwierigsten gewonnen werden konnte. Auftritte wie in Freiburg oder Berlin, sowie zum Teil in Augsburg oder Wolfsburg, weisen aber deutliche Unterschiede auf gegenüber den konstant besseren Heimspielen in der Liga. Möchte sich Borussia tatsächlich als Spitzenmannschaft etablieren, muss dies unbedingt verbessert werden.Seitenwahl BC8T7842

Fazit:

Borussia hat viel erreicht an den ersten 10 Spieltagen dieser Saison. Max Eberl hat mit Pléa mal wieder einen Top-Transfer und mit Lang eine solide Verstärkung in den Borussia-Park gelotst. Aber auch Dieter Hecking hat in den letzten Monaten vieles richtig gemacht und aus den Fehlern des Vorjahres gelernt. Noch ist es zu früh, von einer dauerhaften Rückkehr in die glanzvollen Zeiten seines Vor-Vorgängers zu träumen. Angesichts der bevorstehenden schwierigen Auswärtsaufgaben in den kommenden Wochen könnte schon ein Ausrutscher bei einem der vermeintlich leichten Heimspiele ausreichen, damit Borussia ins obere Tabellenmittelfeld durchgereicht wird. Eine längere Verletzungspause von einem Schlüsselspieler wie Pléa oder Ginter würde die Mannschaft zudem vor eine weitere schwierige Herausforderung stellen. Schwarzmalen ist aber dennoch nicht angesagt, denn im Vorjahr wären Knackspiele wie gegen Düsseldorf voraussichtlich nicht gewonnen worden. Wenn die Mannschaft dauerhaft erkennt, dass sie auf diesem Niveau nur bestehen kann, wenn sie in jedem Spiel 100 % gibt, dann ist ihr zuzutrauen, aus der aktuellen Momentaufnahme nach 10 Spieltagen eine ähnlich schöne Saison-Endbilanz zu machen.

 

 

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