Würde Borussia der Sieg in München zu Kopf steigen? Würde die Mannschaft sich gegen einen der Gegner, die als „unangenehm“ gelten, wie gewohnt schwer tun? Die Antwort lautet so laut, so eindeutig „nein“, dass man sich selbst als vorsichtiger Beobachter zumindest für einen Moment einfach nur freuen kann. Das Spiel gegen Mainz 05 bot einiges, das die Hoffnung nährt, Borussia 2018/19 könnte trotz nur moderater personeller Änderungen ein ganz anderes Team sein, als Borussia eine Saison zuvor. Tabellenplatz zwei ist, wie alle Beteiligten eifrig versichern, nur eine Momenaufnahme die auch und vor allem dem zwischenzeitlichen Schwächeln von Bayern München zu verdanken ist. Aber Borussia macht im Moment auch sehr viel richtig. Das Spiel gegen Mainz jedenfalls ließ kaum Wünsche offen. Die vielzitierte Borussen-DNA, sie ist im Moment tatsächlich auch auf dem Platz zu beobachten. Der LKW, der zwischen den Leitplanken liegengeblieben war, hat wieder Tempo aufgenommen.

Natürlich gehört auch Glück dazu – dass das gleich zum Einstieg erwähnt wird, liegt daran, dass Borussia dieses Glück auch zum Einstieg in das achte Bundesligaspiel der Saison ereilte. Nico Elvedi schien von allen guten Geistern verlassen, als er den ohne Not im eigenen Strafraum dem Mainzer Stürmer Mateta in den Fuß passte. Mit so viel Gastfreundschaft hatte wohl auch der Franzose nicht gerechnet, so dass er etwas hastig schoss und der Ball knapp am Gladbacher Tor vorbeiging. Dass diese geschenkte Gelegenheit die größte für Mainz während der kompletten 90 Minuten bleiben sollte, spricht für die Gladbacher Defensive, allerdings zeigte sich der Abwehrverbund in Wahrheit weniger sicher, als zuletzt in München. Tobias Strobl, überraschend für Christoph Kramer im defensiven Mittelfeld aufgeboten, wirkte im Vergleich zu ebendiesem Kramer eher behäbig. Wenn Mainz angriff, dann durchs Zentrum – als hätten die Offensivkräfte in rot den Ex-Hoffenheimer als Schwachpunkt ausgemacht. Womöglich lag es aber auch daran, dass die Gladbacher Außenverteidiger Lang und Wendt ihre Seiten sehr ordentlich dicht machten. Beide fanden auch immer wieder die Gelegenheit, sich nach vorne einzuschalten. Alles in Allem blieben die Mainzer Angriffsversuche harmlos. Zwar gab es allerlei Abschluss-Gelegenheiten, die allerdings konnte der souveräne Yann Sommer allesamt problemlos entschärfen.

Borussia machte das Spiel und zeichnete sich dabei sowohl durch Kreativität, als auch durch Spaß an der Sache aus. Die Abteilung Attacke bestand, auch weil Mainz es erlaubte, aus fünf Mann plus den zwei Außenverteidigern. Dieter Hecking hatte sich erneut für die Angriffsformation entschieden, mit der er zwei Wochen zuvor Bayern München so folgenreich überrascht hatte – also mit Stindl zentral. De facto allerdings wechselten die Offensivspieler ihre Positionen gegen Mainz nach Belieben. Ob auf dem Spielberichtsbogen Stindl wirklich im Sturmzentrum und Hofmann auf der „Acht“ einzuordnen ist – im Nachhinein ist man nicht sicher und es ist eigentlich auch gleichgültig. Die genannten Herren kombinierten mit Hazard, Pléa und Neuhaus höchst ansehnlich und am Ende auch ausgesprochen erfolgreich.

Im ersten Durchgang blieben diese Momente noch zählbar. Zwar machte Borussia das Spiel, Mainz aber legte die Defensivstärke an den Tag, mit der die Mannschaft von Sandro Schwarz die Zahl der Gegentore in den ersten sieben Saisonspielen klein gehalten hatte. Vier waren es bis zur 21. Minute im Borussia-Park. Da setzte Stindl Hazard schön ein, der wiederum den Laufweg von Jonas Hofmann perfekt antizipierte. Den optimal getimten Pass konnte Hofmann zu seinem ersten Bundesliga-Feld-Tor für Borussia verwerten. Vom Innenpfosten ging der Ball über die Linie. Dass Borussia aber das ganz richtige Rezept gegen die Mainzer Abwehr noch nicht gefunden hatte, zeigten die Versuche von Hofmann und Stindl, Keeper Müller mit artistischen Hebern aus der Ferne zu bezwingen – im Fall von Hofmann wäre das um ein Haar von Erfolg gekrönt gewesen. Schon nach dem Führungstreffer änderte Borussia leicht die Marschrichtung. Offenbar von der Harmlosigkeit des Gegners herausgefordert überließ man Mainz zeitweise das Mittelfeld und verlegte sich aufs Kontern.

Die zweite Halbzeit brachte dann den erwähnten Fußball zum Zungeschnalzen. Aus einer zunehmend sicheren Defensive startete Borussia weniger ein Powerplay als intelligente und schnelle Angriffe in Serie – und zeigte sich dabei durchaus effizient. Beim 2:0 waren dieselben Spieler beteiligt, wie beim ersten Tor: Stindl setzte Hazard ein, der zunächst Tempo aufnahm und den Ball dann hart und präzise vors Mainzer Tor brachte. Hofmann stand da, wo man eigentlich Pléa vermutet hätte – und musste nur noch den Fuß reinhalten. Damit war das Spiel entschieden, aber zum Glück für die Fans der Borussia noch nicht vorbei. Diesmal schickte Stindl Pléa auf die Reise, der im Stil eines Hazard Hazard bediente. Kurz danach ließ Oscar Wendt kurz seinen inneren Arango raus und setzte einen Freistoß gekonnt in den Winkel – aus dem ihn der Mainzer Torwart Müller gerade noch fischen konnte. Mainz brachte mit Latza und Öztunali noch einmal zwei neue Offensive, Borussia blieben demzufolge die Räume zum Kontern. Nach einem abgefangenen Angriff schaltet Neuhaus perfekt um und passte in den Lauf von Hofmann. Der überspielte den herausgeeilten Torwart und schob eiskalt ins leere Tor zum Endstand. Borussia hätte die Führung danach sogar noch ausbauen können. Der eingewechselte Zakaria tankte sich gegen Baku durch, setzte Hazard ein, der konnte nicht vollenden. Den Abpraller hätte Zakaria wohl im Tor untergebracht, hätte er nicht immer noch Baku hinter sich gehabt. Im Stadion sahen fast alle ein Foul des Mainzers, der sich selbst bei der Aktion verletzte. Schiedsrichter Storks ließ weiterspielen. Eine Ansicht der Szene in Zeitlupe gibt ihm im Nachhinein Recht. In der letzten Viertelstunde schaltete Borussia einen Gang zurück und verwaltete das Ergebnis unaufgeregt. Kurz vor dem Ende hätte man Mainz fast noch den Ehrentreffer erlaubt, aber Yann Sommer sprang im Stil eines Handballtorwarts in den Schuss des von allen Verteidigern verlassenen Latza.

Der Sieg ist zweifellos hochverdient und auch nicht zu hoch ausgefallen. Die Kombinations- und Spielfreude und die Konterstärke hat man in dieser Form bei Borussia unter Dieter Hecking bisher noch nicht gesehen. Mainz tat das Seine dazu, als es sich in der zweiten Halbzeit zu weit herauslocken ließ und seine eigentliche Defensivstärke freiwillig opferte. Borussia hatte erfreulicherweise alle Mittel parat, aus dieser Situation Profit zu ziehen. Wenn aus klassischen Vorbereitern Vollstrecker werden und aus den üblichen Vollstreckern Vorbereiter, spricht das für die taktische Marschrichtung, die Hecking vorgibt. Dass der Trainer Personalentscheidungen trifft, die auf den ersten Blick unnötig wirken – in diesem Fall der Wechsel Strobl für Kramer – zeigt die Ausgeglichenheit und Stärke des Kaders, in dem zudem die Zahl der Verletzten auf Negativrekord-Niveau liegt. Hecking gibt so aber auch jedem Spieler das Zeichen, dass er zu jeder Zeit gebraucht werden kann. So wissen auch Spieler wie Johnson, Beyer, Herrmann oder Cuisance, die gegen Mainz teilweise nicht einmal im Kader standen, dass sie immer die Chance haben, wieder in die Mannschaft zu rutschen.

So können wir uns jetzt vier Tage lang freuen. Dann aber steht der nächste Härtetest an. Burgen sind für Borussia traditionell und auch in diesem Jahr uneinnehmbar. In Augs- und Wolfsburg reichte es immerhin zu Unentschieden, jetzt geht es nach Freiburg, wo Borussia in den vergangenen zehn Spielen gerade mal zwei Pünktchen holen konnte. Das sollte Warnung genug sein, um nicht allzu breitbeinig ins Breisgau zu fahren.

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