Keine Frage, Borussia Mönchengladbach blickt auf ein sportlich bewegendes Jahr 2017 zurück. Für das Frauen-Team erwies sich die Bundesliga als deutlich zu stark, so dass man nach dem überraschenden Aufstieg 2016 wieder den Gang in die zweite Liga antreten musste. Dort überwintert man nach einem schwächeren Start inzwischen an der Tabellenspitze. Der Wiederaufstieg winkt, dafür drücken wir fest die Daumen. Weniger erfreulich entwickelte sich der Nachwuchs. Borussias A-Junioren stehen auf einem absolut unbefriedigenden Abstiegsplatz in der Bundesliga-West. Einige der aktuellen Transfergerüchte jüngerer Spieler sollte man auch vor diesem Hintergrund sehen. Und die Profis blicken auf ein Jahr mit vielen Höhen, aber auch Tiefen zurück. Verbunden ist hier das Jahr 2017 ganz besonders mit einem Namen: Dieter Hecking.

Das erste Pflichtspiel des Jahres war auch das erste für Borussias neuen Trainer. Sein Auftrag war klar: Die völlig verunsicherten und teilweise desolat auftretenden Fohlen stabilisieren, sie zügig aus dem Abstiegskampf führen und mittelfristig in der oberen Tabellenhälfte etablieren. Man muss sagen, dass Dieter Hecking dies zweifellos hervorragend gelungen ist. 45mal stand er an der Seitenlinie, 35mal davon in der Bundesliga. Mit einem Punkteschnitt von 1,64 bewegt er sich zwischen Lucien Favre und Bernd Krauss, die ja bekanntlich zu den erfolgreicheren Trainern der Borussia zählen. 2017 waren nur Bayern und Dortmund erfolgreicher, Hoffenheim in der Bundesliga um einen Punkt. Im Europapokal wurde nach über 20 Jahren wieder einmal ein Achtelfinale erreicht, im DfB-Pokal scheiterte man erst im Halbfinale im Elfmeterschießen. Wer dies am 27.01.2017 prophezeit hätte, wäre sicherlich als unverbesserlicher Optimist abgetan wurden. Keine Frage: Dieter Hecking hat seinen Auftrag erfüllt, sogar mit Auszeichnung.

Trotzdem wird der ehemalige Gladbacher Akteur von vielen Fans weiterhin kritisch gesehen. Im Europapokal verspielte man eine 2:0 Führung. Das Finale in Berlin wirkte lustlos verschenkt. Im Saisonfinale erschien ein Europapokalplatz ebenso erreichbar, wie die Vizemeisterschaft in dieser Hinrunde. Es scheint, als wenn immer noch ein bisschen mehr geht, der Mannschaft aber die letzte Gier fehlt, ihre Chancen zu nutzen. Vermutlich erklären sich so die Pfiffe aus dem HSV-Spiel, aber auch der Applaus nach dem unglücklichen, aber hart umkämpften Pokal-Aus. Auf der anderen Seite war die Borussia 2017 aber auch von echten Krisen weitgehend verschont. Auf heftige Schlappen folgt stets eine Reaktion, besonders dann wenn man eine solche nicht erwarten konnte. Beständig war die Borussia 2017 eigentlich immer nur in ihrer Unbeständigkeit. Im Guten wie im Schlechten. Das überrascht immer wieder aufs Neue, schürt Hoffnungen, welche dann wieder enttäuscht werden (müssen). Eine Achterbahn der Gefühle, die eben auch erklärt, warum für manche das Glas halb voll und für andere wieder halb leer ist.

Doch woher rührt die beständige Unbeständigkeit? Selbst die Kritiker sprechen dem Team ja keineswegs den Willen ab. Und wenn es an der Qualität liegt, wieso liegt man dann nach der Hinrunde punktgleich mit dem Dritten und war nur gegen den BVB chancenlos? Ist das Team schlichtweg zu „grün“?  Am vergangenen Mittwoch bot die Borussia die jüngste Startelf in einem DfB-Pokalspiel seit 26 Jahren auf. Die Elf, die Gerd vom Bruch an jenem 24. September 1991 aufbot bestand bereits im Wesentlichen aus den Spielern, die 1995 den bislang letzten großen Titel an den Niederrhein holten. Trotzdem dauerte es vier Jahre und viel Abstiegskampf, bis endlich eine deutsche Spitzenmannschaft geformt war. Den entscheidenden Unterschied machten mit Stefan Effenberg und Martin Dahlin zwei Spieler, die in der Lage waren, enge Spieler zu entscheiden. 2017 verfügt die Borussia auch im Verhältnis über ungleich mehr Talent und Qualität. Ein eiskalter Torjäger fehlt aber ebenso, wie ein Leader, an dem sich eine Mannschaft aufbauen kann – zumindest seit den Abgängen von Granit Xhaka und Martin Stranzl.

Borussias sportliche Leitung hat die letzten Jahre eindrucksvoll bewiesen, dass sie Talent kann. Zakaria, Cuisance, Elvedi, Benes oder Oxford sind zwar erfreulich, aber bei dieser Trefferquote keineswegs Zufall. Wer solche Talente an den Niederrhein lotst, verfügt über ein erstklassiges Scouting. Europaweit. Doch nur mit Talenten wird der nächste Schritt zu mehr Konstanz nicht zu machen sein. Im Gegensatz zu früher ist der Markt extrem schnelllebig und die Talente tragen zwar finanzielle, aber nicht sportliche Früchte. Will man etwas aus Blech haben, muss man auch bereits gereifte Spieler erwerben – insbesondere vor dem Hintergrund, dass frühere Leader wie Raffael bereits im Herbst ihrer Karriere stehen. Panikkäufe wie Bobadilla helfen nicht, auch wenn man ich den Willen nicht absprechen kann. Wer mitreißen will muss aber auch Qualität mitbringen.  Als 2016 das Jahr zu Ende ging, wurde großen Teilen der Mannschaft eben diese Qualität abgesprochen um „oben mitzuspielen“. 2017 hat die Borussia in diesem Punkt den Gegenbeweis angetreten. Dafür ein Chapeau und ein Gläschen Rotkäppchen.

Allen Lesern und Freunden von Seitenwahl einen guten Rutsch und ein glückliches 2018 !!!

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