Es ist mittlerweile ein allwöchentliches Ritual – die Jammerei über den ach so schlecht funktionierenden Video“beweis“. Wer genauer hinschaut, der erkennt aber: Nicht der VAR ist in der Krise, sondern das Schiedsrichterwesen des DFB.

An diesem Wochenende waren es mal wieder die Kölner, die am lautesten jammerten, weil sie vom bösen Video-Schiedsrichter so arg benachteiligt worden seien. Fakt ist aber: Auch ohne VAR wäre die Entscheidung auf Elfmeter genauso ausgefallen, hätte Mainz das Spiel mit 1:0 gewonnen. Die Diskussionen über die Fehlentscheidung wären nach dem Spiel genauso erfolgt. Grundsätzlich war die Schwalbe von de Blasis eher ein Paradebeispiel dafür, warum das System VAR im 21. Jahrhundert unverzichtbar sein sollte. Solch klare Fehlentscheidungen des Feldschiris müsste ein jeder Mensch vor dem Bildschirm mithilfe von maximal zwei bis drei Zeitlupen-Einstellungen innerhalb kürzester Zeit eindeutig erkennen und korrigieren. Dass es im vorliegenden Fall nicht geklappt hat, ist kein Mangel des Systems, sondern einzig und allein des TV-Schiedsrichters, der seinen Job schlecht erledigt hat.

Dass ausgerechnet die Kölner dermaßen vehement gegen den VAR wettern, ist angesichts ihrer trostlosen Situation verständlich. Wer aber in 12 Spielen nur zwei Punkte und vier Tore erzielt hat, sollte mit etwas mehr Demut zunächst einmal seine eigene Leistung hinterfragen. In Mainz waren sie zeitweise sogar in Überzahl nicht in der Lage zu treffen.

Es besteht kein Zweifel, dass das System VAR noch nicht ausgereift ist und Verbesserungen bedarf. Verwiesen sei auf die guten Beiträge meines Kollegen Uwe Pirl sowie auf die konstruktiven Vorschläge von Tobias Escher bei spielverlagerung.de. In Berlin wurde dies gestern wieder einmal deutlich. Der Videoassistent griff hier vorbildlich ein, nachdem er das eindeutige Handspiel von Rekik erkannt hatte und korrigierte den fehlerhaft ausgebliebenen Pfiff des Schiedsrichters schnell und zurecht. Die Folge war Borussias 2:0 und wer weiß, wie die Partie ohne den VAR weiter verlaufen wäre. Für die Zuschauer im Stadion war leider aber nicht direkt ersichtlich, warum der Pfiff nachträglich erfolgte. Hier wäre eine kurze Ansage über den Stadionlautsprecher angesagt gewesen, wie z. B. „Der Videoassistent hat ein eindeutiges Handspiel eines Berliner Abwehrspielers erkannt. Der Schiedsrichter hat daher auf Elfmeter entschieden.“

Es ist bezeichnend, dass es dem DFB trotz einjähriger Testphase in der vergangenen Saison nicht gelungen ist, die Umsetzung des VAR klarer und transparenter zu bewerkstelligen. Es ist aber auch nur bedingt überraschend, wenn man die Querelen um Hellmut Krug und Herbert Fandel betrachtet, die das Schiedsrichterwesen des DFB offensichtlich mit großer Selbstherrlichkeit und Willkür leiten. Dass solche Herren mitten in der Saison eigenständig und ohne die Liga und Öffentlichkeit zu informieren die Regeln für den VAR ändern, spricht nicht gegen das System, sondern einzig gegen diese Personen. Der peinliche Auftritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel passt hier ebenso ins Bild. Wenn man nicht wüsste, dass diese Herren auch auf anderen Gebieten regelmäßig ihre Inkompetenz unter Beweis stellen, könnte man fast den Eindruck gewinnen, das umstrittene Projekt solle absichtlich torpediert werden.

Bei all dieser berechtigten Kritik an der Umsetzung des Systems, darf aber in der Bewertung nicht übersehen werden, dass es in weiten Teilen schon jetzt sehr gut funktioniert. An den ersten 11 Spieltagen wurden 33 klare Fehlentscheidungen der Feldschiris vom VAR zurecht korrigiert. Dem mögen 1-2 Situationen entgegenstehen, bei denen der VAR eine korrekte Entscheidung des Feldschiris fälschlich abgeändert hat. Solange Menschen Entscheidungen treffen, wird dies nie vollständig auszuschließen sein. Hier geht die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit deutlich zu weit, die schon durch das irreführende Wort Video“beweis“ fehlgeleitet wird. Ein Videoassistent wird niemals fehlerlos sein können – er entscheidet nur auf Basis deutlich besserer Informationen und wird daher mit weit höherer Wahrscheinlichkeit bessere Entscheidungen treffen als der Feldschiri. Dass er es z. B. in Mainz gestern nicht tat, ist ärgerlich, weil hier eine Chance vertan wurde, den 33 Situationen eine weitere hinzuzufügen. Wie in den allermeisten Fällen, in denen der VAR kritisiert wird, hat er aber zu keiner Verschlechterung der Situation beigetragen, da die Entscheidung auch ohne ihn genauso ausgefallen wäre.

Es gehört zum Fußballsport dazu, sich über Fehlentscheidungen des Schiedsrichter-Teams zu beklagen. Dies wird auch durch den VAR nicht anders sein als vorher. Wenn pro Spieltag durchschnittlich rund drei Fehler verhindert werden können, sollte dies aber als großer Erfolg gefeiert werden, anstatt zu bejammern, dass ein perfektes System besser noch 3-4 weitere Fehler hätte korrigieren können. Perfekt wird das System nie sein. Es ist aber zu wünschen und zu erwarten, dass sich die Quote im Laufe der Zeit weiter verbessert, wenn die Schiedsrichter mehr Erfahrungen gesammelt haben und Abstimmung sowie Kommunikation besser funktionieren. Die Vereinsverantwortlichen wie auch die Öffentlichkeit sollten aufhören, bei jeder strittigen Situation direkt das System VAR in Frage zu stellen. Sie sollten ihm lieber Zeit geben und stattdessen eher die deutlichen Missstände innerhalb des DFB anprangern. Diese sind nämlich das eigentliche und viel dringlichere Problem dieser Tage.

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