Die dritte Niederlage in Folge, dazu eine erneut über weite Strecken indiskutable Leistung. Ganz Fußball-Deutschland fragt sich, was mit dem Rückrundenmeister der Vorsaison innerhalb weniger Monate passiert ist. Bei näherem Hinsehen lassen sich Gründe für den Fehlstart finden - der Abgang von zwei zentralen Spielern, der Ausfall von zwei der (ligaweit) besten Innenverteidigern, der (bislang) missglückte Einbau neuer Akteure, die Formschwäche diverser Führungsspieler. Doch trotzdem ist diese Situation höchst unbefriedigend für den zuletzt so erfolgsverwöhnten Borussia-Fan.

Gestiegene Ansprüche

Jedem war vor Saisonbeginn klar, dass sich eine Serie wie zuletzt kaum so ohne Weiteres wiederholen lassen würde. Dennoch haben die letzten Jahre Begehrlichkeiten geweckt und die Ansprüche gesteigert. Nur etwas mehr als 20% der Fans hätten sich vor Saisonbeginn mit einem Platz unterhalb der europäischen Ränge zufriedengeben wollen. 99% erwarteten zumindest eine erneute Qualifikation für die Europa League. Umso ernüchternder ist es jetzt, in der Realität aufzuwachen und Borussia wieder ähnlich verunsichert und harmlos auftreten zu sehen wie in längst vergessen geglaubten schlechteren Zeiten. In Bremen wurden über 90 Minuten gefühlt mehr Fehlpässe gespielt als in der gesamten letzten Rückrunde.

Doch bei aller Tristesse gilt auch weiterhin: Es sind erst 3 von insgesamt 34 Bundesliga-Spielen absolviert und es ist viel zu früh, um irgendwelche Saisonziele zu revidieren. Offiziell wurde ohnehin stets nur von einer Etablierung in der Einstelligkeit geredet. Der ganz große Wurf, sich in den Champions-League-Rängen festzusetzen, wird zweifelsohne nur noch sehr schwer erreichbar sein. Dafür spielen die Topvereine aus München, Dortmund und Wolfsburg zu dominant und haben wieder einmal zu stark investiert. Auch auf Bayer Leverkusen trifft dies mit Abstrichen zu. Dahinter ist aber noch alles offen für den weiteren Saisonverlauf. Doch in diesen Zeiten sollte ohnehin nicht auf andere geschaut werden. Entscheidend ist, dass Borussia erst einmal selbst zurück in die Spur findet und dass der Turnaround so schnell wie möglich gelingt.

Nicht die erste Durststrecke unter Favre­

Ganz neu ist solch eine Negativphase selbst in der Ära von Lucien Favre nicht. In den letzten 3 Jahren gab es jeweils Durststrecken von 7, 9 bzw. 4 sieglosen Spielen in Folge, die Borussia jeweils erfolgreich überstand. 2012 musste Borussia kurz nach Saisonbeginn 7 Spiele am Stück auf einen Sieg warten und bot dabei erschreckende Leistungen wie beim 0:0 in Nikosia, dem 0:5 in Dortmund, einem 2:2 gegen den HSV und beim chancenlosen 2:4 gegen Fenerbahce Istanbul. Dem anschließenden 2:0 gegen Eintracht Frankfurt folgte sogar noch ein weiteres ernüchterndes 0:4 bei Werder Bremen, so dass Borussia über Wochen auf Rang 13 der Tabelle umher dümpelte mit Kontakt zur Abstiegszone.

In der darauffolgenden Saison 2013/14 startete Borussia ebenfalls mit drei Niederlagen in die Rückrunde. Nach drei weiteren enttäuschenden Unentschieden erhöhte sich die Zahl der sieglosen Spiele auf insgesamt 9. Auch damals gab es bei den Fans ähnliche Diskussionen wie heute. Das vorherige Erfolgsrezept wurde ebenso in Frage gestellt wie teilweise gar die Verantwortlichen. Der Verein reagierte darauf mit einer Verlängerung des Vertrags ihres Trainers bis 2017. 2 Tage nach Verkündung dieses ungewöhnlichen Coups wurde mit einem 2:1 in Dortmund die Wende geschafft und Borussia qualifizierte sich zum Saisonende doch noch für die Europa League.

Vertragsverlängerungen mit Signalwirkung

12 Tage hat Borussia nunmehr bis zum nächsten Saisonspiel Zeit, um vielleicht ein ähnlich starkes Zeichen zu setzen. Sowohl der Vertrag von Favre als auch der von Eberl läuft nur noch bis 2017. Eine vorzeitige Verlängerung wäre bei beiden eine hervorragende Nachricht mit Signalwirkung. Mit ihrer Arbeit in den vergangenen 4 Jahren haben die beiden sich mehr als genügend Kredit verdient, um ihnen jetzt auch in schwierigen Zeiten das Vertrauen zu schenken. Was nicht bedeutet, dass nicht einzelne Entscheidungen kritisiert werden dürfen, denn beide haben selbstverständlich ihren Anteil an der aktuellen Situation - so wie sie völlig zurecht in den letzten Jahren für die tollen Erfolge gefeiert wurden.

Den erneuten Verlust einer Mittelachse ausgerechnet im ersten Champions League Jahr mit überwiegend jungen und unerfahrenen Spielern zu kompensieren, war äußerst riskant und scheint sich derzeit als allzu naiv herauszustellen. Zum günstigen Einkauf eines Lars Stindl darf man Eberl weiterhin beglückwünschen. Es hätte aber klar sein müssen, dass dieser in Hannover zuletzt in der Offensive seine stärksten Spiele gemacht hat und auf der 6er-Position zuvor nur durchschnittlich agierte. Mit Josip Drmic wurde zudem erneut für viel Geld ein Stoßstürmer verpflichtet, der nicht ins Spielsystem der Fohlenelf unter Favre zu passen scheint. Dieser hatte einen solchen überraschenderweise verlangt, weil er eine größere Durchschlagskraft als nächsten Schritt zur Verbesserung seiner Mannschaft ausgemacht hatte. Inzwischen scheint der Trainer aber schon nach wenigen Partien keine ernsthafte Verwendung für seinen Landsmann mehr zu haben. Es ist zwar noch deutlich zu früh, um sich ein abschließendes Urteil über die Neuzugänge zu bilden - zumal einige noch (so gut wie) gar keine Chancen zur Bewährung erhalten haben. Den Titel des "Einkaufmeisters" wird Max Eberl aber aller Voraussicht nach in dieser Saison nicht verteidigen können.

Kein weiteres Personal in Sicht

Während die anderen Topvereine ihre finanzielle Überlegenheit auf den Transfermarkt ausgespielt haben, hat sich Borussia trotz der blühenden Champions League Einnahmen erstaunlich bescheiden verhalten. Die Transferphilosophie war in diesem Jahr eher darauf ausgerichtet, junge entwicklungsfähige Spieler zu verpflichten. Eine Strategie, die vielleicht erst in 1-2 Jahren so richtig aufgehen könnte. Dennoch hätte nichts dagegen gesprochen, noch zumindest einen gestandenen Akteur für die Defensive zu verpflichten, der den dortigen Abgang von Christoph Kramer direkt hätte kompensieren können. Zuletzt bemühte sich der Verein um eine Rückholaktion von Dante, obwohl auf der Innenverteidiger-Position trotz der Ausfälle von Stranzl und Dominguez kein so großer Notstand herrscht. Gegen die finanzielle Übermacht des jetzt auch noch mit englischem TV-Geld subventionierten VW-Konzerns war Borussia erwartungsgemäß chancenlos, so dass nach den jüngsten Aussagen des Sportdirektors nunmehr wohl gar kein weiterer Neuzugang folgen wird. Ob der in Berlin in den letzten Jahren nur mäßig agierende Nico Schulz mehr als eine Ergänzung für den Notfall sein wird, darf ebenso bezweifelt werden.

Borussia muss nunmehr also mit dem auskommen, was ihr zur Verfügung steht. Dies sollte immer noch gut genug sein, um wieder erfolgreicher und besser zu agieren. Spieler wie Raffael, Herrmann oder Xhaka haben ihr jahrelang nachgewiesenes Können nicht über Nacht verlernt. Es fehlt ihnen aktuell die Leichtigkeit, das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein, das sie in den letzten Jahren über weite Strecken so sehr auszeichnete. Dem gilt es jetzt mit der nötigen Ruhe zu begegnen, selbst wenn es der brennenden Seele der Borussia-Fans verständlicherweise schwerfällt. Der viel zitierte "Negativlauf" wird zumeist durch allzu große Panik im Umfeld mit ausgelöst, der die Verunsicherung noch einmal zusätzlich steigen lässt. Eberl und Favre haben in der Vergangenheit schon mehrfach nachgewiesen, dass sie die öffentliche Unruhe gekonnt ignorieren können und sich davon nicht beirren lassen. Dies ist auch jetzt der einzig richtige Weg, um möglichst bald wieder in eine erfolgreichere Spur zurückzukehren.

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