Borussia Mönchengladbach steht unter Schock. Nicht nur die Fans wurden kalt erwischt vom heutigen Abgang des langjährigen Erfolgstrainers Lucien Favre. Auch im Verein selbst herrscht Fassungslosigkeit. Aus der offiziellen Mitteilung Borussias sprechen Entsetzen, Bitterkeit, Unglaube. Mit der Art und Weise, wie Lucien Favre sich am Tag nach der Derbyniederlage in Köln vom Hof stiehlt, beschädigt der kapriziöse Schweizer sein eigenes Denkmal.

Nie zuvor galt ein Trainer in Mönchengladbach als derart unantastbar. Selten zuvor konnte sich ein Trainer nicht nur bei Borussia sondern vermutlich in der ganzen Bundesliga so sicher sein, dass man ihn ergebnisunabhängig weiterarbeiten lassen würde. Nie in seiner Trainerkarriere, egal ob in der Vergangenheit oder der Zukunft, wird Lucien Favre ein solches Vertrauen entgegengebracht worden sein, wie in Mönchengladbach.

Dass Favre in der Zusammenarbeit schwierig ist, ist wohlbekannt. Dass er nicht zum ersten Mal um seine Entlassung anhielt, darf als gegeben vorausgesetzt werden. Zu hören und zu lesen war davon schon häufig. Dass es tatsächlich so war, geht aus der heutigen Mitteilung Borussias deutlich hervor. Dass der Trainer aber ohne Rücksprache, ohne die Möglichkeit einer gemeinsamen Sprachregelung, ohne eine wie auch immer geartete Verständigung den Weg an die Öffentlichkeit sucht und damit Fakten schafft, ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die ihm auch nach sechs Niederlagen in Folge ohne Wenn und Aber die Stange gehalten haben.

Dass Favre, der nie sonderlich fannah war, zum Abschied vom Mythos Borussia spricht und von den Fans, die er im Herzen bewahen möchte, darf man getrost überlesen. Es bedeutet nichts, als dass da jemand versucht, sich nicht ganz und gar unmöglich zu machen. Ginge es Favre um Borussia, hätte er nicht derart eigenmächtig gehandelt. Er hätte nicht inmitten einer englischen Woche gekündigt ohne dem Verein auch nur ansatzweise die Möglichkeit zu bieten, sich auf die Trennung einzustellen. Nein, Favre lässt Borussia, die Verantwortlichen, die Mannschaft und die Fans im Regen stehen.

Verstehen wir uns nicht falsch: all das ändert nichts daran, dass Lucien Favre Großartiges in Mönchengladbach geleistet hat. Aber bevor Borussia die Saison nicht über dem Strich beendet hat, sollte man nicht über Dankbarkeit schreiben, vielleicht nicht einmal nachdenken.

Gut möglich, dass Lucien Favre seine Entscheidung aus dem Bauch heraus getroffen hat. Möglich auch, dass er angesichts der sportlichen Situation nicht mehr weiter zu wissen glaubte.  Es ändert nichts daran: Dieser Abschied ist veranwortungs- und stillos. Lucien Favre trägt ein großes Maß an Mitverantwortung dafür, dass Borussia zur Zeit da steht, wo sie steht. Er hätte sich dieser Verantwortung stellen müssen.

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