Nach Lucien Favres "Rückgratverlust", Luuk de Jongs Torflaute und Mike Hankes Social-Media-Eskapaden freut sich das (mediale) Umfeld der Borussia seit gestern Abend über ein neues, vermeintliches Reizthema:

Laut eines Interviews mit einer Schweizer Tageszeitung vermisst Neuzugang Granit Xhaka in der Mannschaft unter anderem die Siegermentalität, verbittet sich eine allzu harte verbale Ansprache der Teamkollegen und attestiert seinem neuen Arbeitgeber ein spielerisch niedrigeres Niveau als seinem Basler Vorgängerverein. Auch die erstaunlich detaillierte Beschäftigung mit seiner sportlichen Zukunft lässt angesichts eines gültigen Vertrages bis zum Sommer 2017 aufhorchen.

 

 

Wem hier mit Blick auf diese durchaus kernigen Aussagen - in Erinnerung an ehemalige "Leadertypen" wie Stefan Effenberg - zunächst ein "Richtig so - wir brauchen Spieler, die vorangehen!" durch den Kopf geht, sollte nicht vergessen: Beste Grundlage für einen Führungsanspruch bleibt immer die eigene Leistung. Bei Kahn und Co. war diese meist über jeden Zweifel erhaben.

Granit Xhaka hingegen konnte beim VfL bisher weder auf seiner angestammten Sechser-Position, noch auf der von ihm in der Schweizer Nationalmannschaft bekleideten Rolle hinter einem Stoßstürmer wirklich überzeugen. Mehr noch: In vielen Partien fiel er gegenüber anderen Spielern deutlich ab, wirkte überfordert und unkonzentriert.

Im Fokus des Geschehens stand Xhaka meist mehr durch lautstarkes Lamentieren auf und neben dem Platz, sowie durch das ein oder andere durchaus rotwürdige Einsteigen im Zweikampf - die von ihm erwartete Stabilisierung der spielerischen und defensiven Ordnung lässt auf sich warten. Trotz erkennbarer Anlagen scheint Xhakas Weg zum Führungsspieler entgegen der eigens formulierten Ansprüche ein noch recht langer zu sein.

Einen Teil der neuerlichen Äußerungen, ebenso wie die fehlende Konstanz in seinen Auftritten, mag man mit der Jugend des Spielers und der notwendigen Umgewöhnung auf eine deutlich stärkere Liga erklären - den neuen Kollegen jedoch unterschwellig die Schuld an seinem verzögerten Durchbruch zuzuschieben, dürfte ihm innerhalb der Mannschaft wohl mittelfristig nicht die Rolle des gefühlten Kapitäns einbringen.

Mit nachdrücklicher Unterstützung durch Borussias sportliche Leitung wird Xhaka in den kommenden Monaten lernen müssen, dass sich die interne Hierarchie einer Fußballmannschaft nicht aus der Quantität der medialen Präsenz, sondern aus einer Kombination von eigener Leistung, Kommunikation und Erfahrung ergibt.

Ganz simpel möchte man dem jungen Schweizer derzeit zurufen: Weniger Gerede, mehr Konzentration auf das Sportliche - dann lösen sich viele Probleme im Tagesgeschäft Bundesliga oft von selbst.

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